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27.11.2012
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Griechenland
Hellas-Hilfe beschert Hedgefonds fette Beute

Von Martin Hintze

Kundgebung in Athen: Die Bürger Griechenlands sind über die neuen Hilfen erleichtert - und Hedgefonds sind in großer Zahl hocherfreut
REUTERS

Kundgebung in Athen: Die Bürger Griechenlands sind über die neuen Hilfen erleichtert - und Hedgefonds sind in großer Zahl hocherfreut

Nicht nur die Griechen freuen sich über das neue Rettungspaket von Euro-Zone und IWF. Auch Spekulanten reiben sich die Hände. Der geplante Rückkauf von Hellas-Bonds lässt ihre Kassen klingeln - sie nennen den Deal "idiotensicher" oder "Geschenk vom Steuerzahler".

Hamburg - Athen jubelt: Der Schuldenschnitt ist vom Tisch, das Konzept durchwursteln hat einmal mehr obsiegt. Um Griechenland vor dem Bankrott zu retten, haben sich die Euro-Staaten, Europäische Zentralbank (EZB) und der International Währungsfonds (IWF) in einer knapp zwölfstündigen Marathonsitzung auf ein komplexes Paket aus Zinsstundungen, längeren Kreditlaufzeiten, Ausschüttung von Gewinnen der EZB sowie auf einen Rückkauf von Schulden geeinigt.

Die letztere Maßnahme dürfte auch bei Spekulanten in der Londoner City und an der Wall Street für Freudensprünge sorgen. Denn jetzt haben sie die Gewissheit, dass auch ihre jüngsten Wetten auf Griechenland aufgegangen sind.

Während sich Politiker gegenseitig auf die Schultern klopfen, haben viele der Finanzakrobaten für die neuen Hilfsmaßnahmen nur Hohn und Spott übrig. "Das ist wirklich das Dümmste, was Griechenland jetzt machen kann", sagte Hans Humes, Chef von Greylock Capital der "New York Times". Und das US-Finanzblog "Seeking Alpha" lästert: "Liebe Hedgefonds: Fröhliche Weihnachten von den Steuerzahlern der Euro-Zone".

Die Rechnung von Spekulanten wie Humes ist simpel: Sie kaufen zum Schleuderpreis ein und setzen darauf, dass die Steuerzahler - über den Umweg der Rettungsfonds - ihnen die Titel zu einem weit höheren Preis abkauft. So sollen sich Hedgefonds in den vergangenen Monaten zu Tiefpreisen mit griechischen Staatsanleihen eingedeckt haben. Auf 22 Milliarden Euro beläuft sich der Gegenwert der Anleihen laut "New York Times".

Der idiotensichere Deal - und das Dilemma der Geldgeber

"Vor einigen Wochen wurden die Bonds noch für unter 20 Cent je Euro Nominalwert gehandelt", sagt Dirk Gojny, Anleiheexperte der Essener National Bank. Das bedeutet, eine Forderung im Nominalwert von einem Euro konnte für unter 20 Cent eingekauft werden. Der Haken: Um sie einlösen zu können, muss der Schuldner bis zur Endfälligkeit zahlungsfähig bleiben. Bei Griechenland galt das bis vor Kurzem noch als höchst ungewiss.

Durch die spekulativen Käufe wurde ein regelrechtes Kursfeuerwerk bei griechischen Schuldtiteln ausgelöst. Heute Vormittag notieren zehnjährige Anleihen bei 34,65 Cents. "Das ist eine ordentliche Rendite", sagt Gojny. Hedgefonds-Chef Humer nennt die Zockerei mit Hellas-Bonds einen absoluten "No-Brainer", also ein idiotensicheres Geschäft.

Die internationalen Geldgeber befinden sich beim Thema Anleiherückkauf in einem Dilemma: Einerseits kann der Griff in die Trickkiste der Finanzjongleure ein probates Mittel sein, um die Schuldenlast Griechenlands zu reduzieren, denn allein dadurch sollen die Schulden unter dem Strich um 20 Milliarden Euro sinken. Die Idee: Athen erhält Geld aus dem Euro-Rettungsfonds und nimmt Investoren die Papiere damit deutlich unter Nominalwert ab. Wenn ausreichend Anleger verkaufen, könnte Griechenland günstig einen Teil seiner Schulden ausbuchen und so zumindest auf dem Papier eine Finanzlücke schließen, um sich für weitere Hilfen zu qualifizieren.

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