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23.11.2012
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Quartalsberichte
Geplapper der Märkte

Von Arne Gottschalck

Aktienanlage: Zahlen treiben Zahlen - doch müssen es so viele sein, mögen sich diese beiden Herren an der Börse Madrid fragen
REUTERS

Aktienanlage: Zahlen treiben Zahlen - doch müssen es so viele sein, mögen sich diese beiden Herren an der Börse Madrid fragen

2. Teil: Viele Investoren schalten auf Durchzug

Unter professionellen Anlegern, so lässt sich beobachten, hat man zwei unterschiedliche Schlussfolgerungen aus dieser Entwicklung gezogen. Die eine Gruppe versucht noch immer, die Aktien der einzelnen Unternehmen zu analysieren und nutzt dazu auch die Quartalszahlen. Das kann klappen, wie zum Beispiel Warren Buffett immer wieder vormacht. Es muss aber nicht. Die andere Gruppe lässt die Zahlen der einzelnen Unternehmen links liegen und bildet einfach nur den Index ab. Als Zertifikat, also einer Art Anleihe, oder auch als Exchange Traded Fund (ETF), eine Fondsart. In einigen Fällen geschieht das durch Kauf der Aktien, die im Index notiert sind.

Oft wird der Index künstlich nachgebildet, so dass das Finanzprodukt die gleiche Wertentwicklung wie zum Beispiel der Dax Chart zeigen aufweist. Auf den ersten Blick können beide Wege zum Anlageerfolg führen. Doch ein weiterer Blick zeigt, dass beide Gruppen unter der skizzierten Entwicklung leiden - zum Nachteil des Kapitalmarkts selbst.

Im Idealfall belohnen Investoren Aktiengesellschaften für gute Unternehmensführung und bestrafen sie für schlechte - indem sie deren Aktien kaufen beziehungsweise verkaufen. Kommt eine Mehrzahl solcher Investoren zum Ergebnis, dass eine Firma gut wirtschaftet, lassen die Kauforder deren Aktien steigen. Dadurch steigt deren Eigenkapitalquote, was in Zeiten skeptischer Banken ein Vorteil ist. Für Unternehmen gibt es daher einen Anreiz, so gut wie möglich zu arbeiten.

Quartalszahlen sagen nichts über die langfristige Strategie aus

Aktive Investoren wie zum Beispiel Warren Buffett machen das mit Erfolg. Passiven Investoren ist der Weg zu komplex, zu risikobehaftet; sie kaufen statt dessen beispielsweise den gesamten Dax ohne Ansehen von Gewinnern oder Verlierern. Damit investieren anteilig in alle darin notierten Unternehmen - und stärken deren Eigenkapitalbasis anteilig.

Wird der Index gar künstlich nachgebildet, muss nicht einmal ein deutsches Unternehmen profitieren - es kann eines aus Japan sein, dessen Zahlungsströme denen eines deutschen gleichen. Dem Privatanleger ist es egal, denn er erhält das gewünschte Dax-Investment. Doch den deutschen Unternehmen geht so potentielles Eigenkapital verloren. Passive Investoren tragen also dazu bei, eine fundamentale Funktion des Finanzmarktes zu verwässern, die Versorgung von Unternehmen mit Eigenkapital.

Doch auch aktive Investoren werden durch die Entwicklung vor Probleme gestellt - und reagieren nicht immer hilfreich fürs Marktgefüge. Denn die Überfülle an Daten steigert die Gefahr, kurzfristigem Denken zu erliegen. Und das, so Kay, sei ein Problem für den Aktienmarkt.

Ändern dürfte sich daran nichts. Kein Wunder also, wenn Andreas Utermann, der die Anlagestrategie von Allianz Global Investors weltweit verantwortet, prophezeit: "Die Volatilität an den Aktienmärkten dürfte an den politisch getriebenen Märkten auch 2013 hoch bleiben."

Studien-Autor Kay regt daher an, die Pflicht zur Vorlage von Quartalszahlen kurzerhand abzuschaffen.

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