Montag, 21. Januar 2019

Spaß bei der Arbeit Von wegen altmodisch!

Auf auf: Arbeit kann Spaß machen - sie muss es sogar, sonst fehlt der Erfolg

Spaß bei der Arbeit, das klingt selbstverständlich. Doch in Zeiten steigender Belastung kommt uns genau der immer öfter abhanden. Allerdings lässt er sich zurückholen, weiß Klaus Schuster. Und damit kommt der Erfolg.

mm: Spaß als Erfolgsfaktor - wie oft sind Sie damit schon auf Befremden gestoßen?

Schuster: Sie werden lachen: Nie - im Management; unter vier Augen, wohlgemerkt. Für Managerinnen und Manager ist das ein, wenn nicht das zentrale Thema: Freude an dem und durch das, was man tut. 90 Prozent der Spitzenmanager machen es nicht wegen des Geldes oder des Status. Sie ziehen ihre Arbeitszufriedenheit aus dem Machen, Bewegen, Erobern, Innovieren. Befremden ernte ich mit der Idee von der Arbeitsfreude wirklich nur in business-fernen Segmenten von Politik, Öffentlichkeit und populistischen Medien.

mm: Als Einzelselbstständiger oder Chef mag das passen - aber wie klappt das für das oft zitierte und geschundene Mittelmanagement?

Schuster: Es klappt exzellent - weil es klappen muss. Als Sandwich-Manager kriegen Sie Druck von allen Seiten, da gehen Sie ohne Arbeitsfreude nicht über Los, sondern direkt in das Burnout oder die innere Emigration. Wer da nicht affektiv aktiv wird, den zerquetscht die Zitronenpresse mit Druck von oben und von unten. Für das Mittelmanagement ist Arbeitsfreude ein Survival Skill.

mm: Stehen Spaß und systematische, emsige Arbeit sich nicht diametral gegenüber?

Schuster: Danke, dass Sie den Klassiker der Irrtümer ansprechen. Diese gegenläufige Kausalität gilt vielleicht für simple Routinetätigkeiten. Wenn Sie aber Spitzenleistung bringen möchten oder müssen, sollten Sie sich an Spitzensportler wie Klose halten, der mal sagte: "Wer Tore schießen will, muss locker sein im Kopf." Das schafft man nur mit Freude an dem, was man tut.

mm: Gelingt das eigentlich nur "rheinischen Frohnaturen"?

Schuster: Das wäre die Katastrophe! Wenn Affektreife angeboren wäre, könnten sich gerade die Mittelmanager gleich die Kugel geben. Natürlich haben bestimmte Charaktere einen genetischen oder familiären Vorteil. Aber insgesamt gilt: Nurture not Nature. Affektkompetenz ist zu 90 Prozent erworben, antrainiert, eingeübt. Oder wie die Amerikaner sagen: It works if you work it.

mm: Läßt sich der Erfolg des "management by fun" in Zahlen fassen?

Schuster: Klar und deutlich - sonst würde das doch kein Manager machen! Erst neulich berichtete mir der CPO eines Konzerns: "Millionendeal, monatelange Verhandlungen, total festgefahren. Dann spiele ich mit meinem Counterpart als Doppelpartner ein Hobby-Tennisturnier - und zwei Wochen danach haben wir den Vertrag unterschriftsreif." Emotional Leadership ist quantifizierbar.

mm: Richten Sie sich selbst immer danach?

Schuster: Klar, sonst wäre ich ja Bankvorstand geblieben. Aber mir machte es einfach keinen Spaß mehr, drei Wochen zu warten, bis mein Antrag auf ein neues iPad durch die Bürokratie durch war. Diese Fremdsteuerung ist nicht lustig. Deshalb mache ich jetzt etwas, das mir mehr Freiheit und deshalb mehr Arbeitsfreude bringt.

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