Sonntag, 16. Dezember 2018

Kohlefaser Keine Kohle, kein Carbon

Kohlefaser: Wie Carbon die Welt erobert
DPA

Neben Raumschiffen, Flugzeugen und Rennwagen werden inzwischen auch Dinge des täglichen Bedarfs aus Carbon gefertigt. Doch die vielbeschworene Carbon-Revolution dürfte ausbleiben - der Stoff ist schlicht zu teuer.

Hamburg - Als Alan Oliveira ins Ziel stürmt, zeigt die Stoppuhr 21,45 Sekunden. Weltrekord! Der Brasilianer siegt über die 200 Meter bei den Paralympics in London - deutlich vor Oscar Pistorius, dem Favoriten aus Südafrika. Pistorius aber ist kein guter Verlierer. Direkt nach dem Lauf motzt er über Oliveiras angeblich zu lange Beinprothesen: "Wir laufen ein unfaires Rennen hier!"

Schnelligkeit, Leichtigkeit, Eleganz: All das zeichnet Paralympics-Sprinter aus. Sie verdanken das ihrem Training - und Carbon. Kohlenstoff. In verarbeiteter Form als CFK - das steht für Carbon-faserverstärkter Kunststoff - steckt er nicht nur in den Beinprothesen der Paralympics-Sprinter. Längst hat auch die Industrie die Vorzüge von CFK erkannt.

CFK macht Raketen stark, Flugzeuge leicht und Renwagen schnell. Kein Wunder: Der Werkstoff aus Kohlenstofffasern ist härter als Stahl, zugleich aber 80 Prozent leichter, außerdem hitze- und korrosionsbeständig. Und noch etwas: Der Carbon-Look - dieses Schwarzgewobene, Wertige - gilt als cool. Deshalb steckt CFK inzwischen auch in Stiften, Musikinstrumenten, Möbeln, Uhren. In allem also, was dem Carbon-Junkie lieb und teuer ist.

Einer dieser Carbon-Junkies ist Richard Branson. Unter dem Dach seiner Virgin Group vereint der 62-Jährige Plattenfirmen, Einzelhändler, Fluggesellschaften - und sogar ein Raumfahrtunternehmen. Für "Virgin Galactic" hat Branson ein ganzes Flugzeug aus Kohlefaser bauen lassen: die "White Knight Two". Mit ihren zwei Rümpfen sieht sie aus wie ein Katamaran der Lüfte. Sie soll den Raumgleiter "SpaceShip Two" vom Weltraumbahnhof im US-Bundesstaat New Mexico auf 15.000 Meter Höhe bringen, um ihn dann zu entkoppeln. Auf diese Weise sollen Wohlhabende künftig nach den Sternen greifen.

Von Null auf 100 in 2,6 Sekunden

Auch die Luftfahrtindustrie hat CFK für sich entdeckt. Unter der Ägide von EADS-Chef Tom Enders, seinerzeit an der Spitze der Konzerntochter Airbus, bekam der Großraumflieger A380 jede Menge Kohlefaser verpasst. Der Langstreckenjet A350 besteht inzwischen sogar zur Hälfte aus CFK, wie übrigens auch das Prestigeprojekt der US-Konkurrenten Boeing, der 787 Dreamliner. In Zeiten steigender Kerosinpreise bietet CFK die Chance, Fluggesellschaften neue Jets zu verkaufen. Doch die Leichtigkeit hat ihren Preis: Ein Kilo Stahl kostet 70 Cent, ein Kilo Carbon das Zehnfache. Das spürt man auch im Autobau.

Jüngst stellte VW den Bugatti Veyron Grand Sport mit Kohlefaser-Karosserie vor - und 1200 PS unter der Haube. Von Null auf 100 beschleunigt der Bolide in 2,6 Sekunden. Wer sich einen derartigen Geschwindigkeitsrausch leisten möchte, muss tief in die Tasche greifen: Rund 1,8 Millionen Euro kostet das Fahrzeug.

Natürlich lässt sich ein Auto auch nachträglich mit Carbon-Applikationen aufwerten: Das hat die Tuning-Schmiede Mansory mit Sitz im oberfälzischen Brand perfektioniert. Mansory motzt jedes Edelfahrzeug von Aston Martin bis Range Rover auf - zu mitunter sechsstelligen Preisen. Sogar Golfmobile der Luxusmarke Garia tunt Mansory. "Garia setzt den Maßstab in ihrer Branche", sagt Firmenchef Kourosh Mansory. "Deshalb sind sie eine logische Ergänzung für unser Portfolio."

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