Mittwoch, 20. Februar 2019

Mentaltraining Wie Manager den Stress besiegen können

Eine Frage der Balance: Das richtige Gleichgewicht ist auch bei der Stressbekämpfung entscheidend

Der Stress im Geschäftsleben nimmt zu, doch wie ihm ausweichen? Indem man bei sich selbst anfängt, rät der Stresstherapeut, Gesundheitsmanager und Mentaltrainer Bernd Riekenbrock.

mm: Business in Balance - wie sehr ist die Waage im Schnitt eigentlich aus dem Gleichgewicht?

Riekenbrock: In fast allen Unternehmen oder Organisationen gibt es heute Mitarbeiter, die unter stressbedingten Symptomen oder Krankheiten leiden. Dabei sind insbesondere die psychischen Befindlichkeitsstörungen in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Mittlerweile gehen schon 10 Prozent aller Ausfalltage auf psychische Erkrankungen zurück, so der BKK Gesundheitsreport 2009. Tendenz stark steigend.

mm: Ist das ein Problem nur für Führungskräfte?

Riekenbrock: Führungskräfte und Mitarbeiter sind gleichermaßen betroffen. Keine Hierarchieebene ist ausgenommen. Die Krankenzahlen zeigen allerdings, dass Führungskräfte überproportional gefährdet sind. Jeder fünfte Deutsche leidet unter Stress, aber jeder zweite Manager - siehe der Krankenkassenreport.

mm: Welche Folgen hat das?

Riekenbrock: Persönlich führt chronischer Stress zu belastungsbedingten Symptomen wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Tinnitus, Nervosität, Konzentrationsschwächen und Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Burnout, Depressionen u.a. Für Unternehmen resultieren daraus Leistungsabfall, mehr Krankentage, Frühverrentung, geringere Produktivität und in der Summe eine Verminderung der Wettbewerbsfähigkeit.

mm: Wo ansetzen? Stete Verfügbarkeit wird doch inzwischen fast überall vorausgesetzt.

Riekenbrock: Die Hauptstressoren, die allgemein in unserer globalisierten Welt wirken, sind Zeit- und Leistungsdruck, Zukunftssorgen, Verpflichtungen und Verfügbarkeit. Hinzu kommen persönliche Stressoren, wie zum Beispiel Perfektionismus. Der Druck von außen ist kaum zu ändern. Was wir ändern können, ist unsere mentale Einstellung und unser Verhalten! Welche neuen Erkenntnisse und Methoden aus der aktuellen Gehirnforschung und Stressmedizin hierzu bestehen, zeigt "Business in Balance".

mm: Wie lässt sich gegensteuern - als Unternehmen, aber auch als Einzelner?

Riekenbrock: Eingebettet in das betriebliche Gesundheitsmanagement bietet das moderne Stressmanagement eine Vielzahl an Möglichkeiten als generelles Angebot für Mitarbeiter. Die Maßnahmen werden untergliedert in instrumentelles Stressmanagement (Organisations- und Prozessoptimierung), kognitives Stressmanagement (Verhaltensveränderung), palliativ-regeneratives Stressmanagement (Entspannung und Erholung). Die gleichen Maßnahmen werden für Privatpersonen auch auf dem offenen Markt angeboten.

mm: Ist Gegensteuern für jeden möglich?

Riekenbrock: Je nach persönlicher Neigung bestehen heute vielfältige Möglichkeiten individuelle Stressvermeidung und -bewältigung zu betreiben. Sport, Yoga, Meditation, Entspannung, Zeitmanagement, Mentale Methoden, Verhaltenstherapie, u.v.a. Hierzu gibt es zahlreiche private und institutionelle Anbieter auf dem Markt. Also ist Stressmanagement auch für jeden machbar.

mm: Welche Rolle spielt der Glaube in die eigene Bedeutung dabei?

Riekenbrock: Eines der stärksten menschlichen Bedürfnisse ist das nach Anerkennung. Ob und in welchem Ausmaß dies gelingt, unterliegt der subjektiven Interpretation. Also ist meine individuelle Persönlichkeit der stärkste Stressfilter. Daher gewinnen mentale Methoden zur Stressveränderung immer mehr an Bedeutung.

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