Sonntag, 24. Juli 2016

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Forensische Befragung "Intelligente Menschen lügen besser"

Am Zucken des Augenlids verraten: So werden im Fernsehen Lügner überführt. In der Realität es das etwas komplizierter

An der Mimik seinen Gegenüber der Lüge überführen, Marco Löw kann das. Und hilft deutschen Unternehmen damit, sich gegen Mitarbeiterkriminalität, Industriespionage oder Bewerbungsbetrug zu wappnen.

mm: Herr Löw, Sie bieten an, für Unternehmen zum Beispiel Straftäter zu überführen. Wie offen sind Deutschlands Firmen eigentlich für Ihr Angebot?

Löw: Das kommt sowohl auf die Unternehmen als auch auf die verschiedenen Angebote an. Viele Firmen wurden selbst schon einmal Opfer von Mitarbeiterkriminalität, Industriespionage oder Bewerbungsbetrug und sind daher für das Thema sensibilisiert und aufgeschlossen. Unternehmen, die bislang von solchen Schadensfällen verschont geblieben sind, neigen manchmal dazu, das Thema herunterzuspielen oder nachrangig zu behandeln. Frei nach dem Motto: "Bei uns gibt es so etwas nicht!" Leider muss oftmals erst etwas Gravierendes vorfallen. Dabei wäre die Prävention der Königsweg, denn die Schäden aus dolosen Handlungen sind meistens deutlich kostenintensiver als präventive Schulungen. Wenn man sich vor Augen führt, dass eine Studie der Hermes-Euler-Versicherungsgruppe anhand der ausgewerteten Schadensfällen ergab, dass ein Drittel der deutschen Unternehmen, die zwischen einer und 50 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschafteten, schon einmal Opfer von dolosen Handlungen geworden sind, dann wird schnell klar, wie akut die Bedrohung aller Unternehmen branchenunabhängig ist, und wie hoch das jährliche Einsparpotential für Unternehmen bewertet werden muss. Hier kommt auch der Firmenleitspruch von Löw & Partner voll zum Tragen: "Lieber vorher schlau, als nachher!"

mm: Agiert der Mittelstand anders als Großkonzerne?

Löw: Besonders auffällig ist, das große Unternehmen wesentlich aufgeschlossener für die Thematik sind, als mittelständische Kunden. Das erklärt, warum die meisten meiner Kunden große Unternehmen und Konzerne sind. Die haben im Regelfall eine eigene Compliance- oder Anti-Fraud-Abteilung und freuen sich, dass Löw & Partner ihnen die Möglichkeit bietet, ihre Mitarbeiter optimal weiterzubilden. Problematisch sind dagegen oftmals inhabergeführte Mittelständler. Da gibt es nicht wenige, die frei nach dem Motto leben: "Das haben wir noch nie so gemacht!"

Manche Personaler sind auch unsicher, wie sie mit dem Thema Bewerbungsbetrug umgehen sollen. Einige haben die Befürchtung, dass, wenn Sie den Bedarf nach einem entsprechenden Seminar bei ihren Vorgesetzen äußern, Sie sich die Frage gefallen lassen müssen, ob sie bisher nicht in der Lage gewesen seien, gute und schlechte Bewerber zu unterscheiden. Das ist natürlich völliger Quatsch. Bisher gab es am Markt diese Weiterbildung in dieser Tiefe einfach nicht, und Stagnation bedeutet Rückschritt, das gilt auch für Personalchefs.

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