Samstag, 24. Februar 2018

Karriere Wie sich junge Gründer durchsetzen

Große Freiheit, volles Risiko: Vier Gründer-Erfolgsgeschichten
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Judith Wagner

Konzerne erreichen viele junge Talente nicht mehr. Die suchen lieber Alternativen zur Konzernlaufbahn - und finden ihren Traumjob als Unternehmer. Vier Fallbeispiele zeigen, wie sich Jungunternehmer durchsetzen.

Hamburg - Sie haben es ja versucht. Sie wollten wirklich vernünftig sein. Kai (34) und Christian (31) Wawrzinek wählten genau die Studienfächer, mit denen ihre Eltern Erfolg hatten: Jura und Zahnmedizin. Sie haben sogar beide promoviert. Und jetzt? Jetzt sitzen die beiden in einem Hinterhofbüro im Hamburger Kreativstadtteil Bahrenfeld und schauen auf Animationen adretter Bäuerinnen, shoppender Teenager und Ritter, die sich auf Dutzenden Monitoren um sie herum tummeln. Statt in elegante Inlays oder in knifflige Vertragsentwürfe vertiefen sie sich in die Frage, wie man das Gras im "Farmer-Spiel" (das mit der Bäuerin) noch etwas grüner hinkriegt und wie viel Stockwerke die Shops im "Fashion-Spiel" haben sollen. Was um Himmels willen ist da nur schiefgegangen?

Gar nichts. Die beiden Hamburger haben die geplanten Karrieren in den Wind geschrieben, um das zu tun, was sie wirklich reizte: ein Unternehmen gründen. "Was es werden würde, war uns zunächst gar nicht genau klar", sagt Christian Wawrzinek. "Die Hauptsache war, unabhängig zu sein von den Vorgaben anderer", meint sein Bruder.

Goodgame Studios: Mistgabel statt Granatwerfer

Aus ihrem leidenschaftlichen Interesse für die Online-Welt und längerem Herumprobieren mit anderen Geschäftsideen sind die Goodgame Studios entstanden, ein Start-up für familienfreundliche kostenlose Browser-Spiele, in denen nicht Pumpgun und Granatwerfer regieren, sondern Mistgabel und Kuchenblech.

Mit ihren aktuell neun Spielen locken die Brüder im boomenden Markt der Social Online Games 70 Millionen Nutzer in rund 200 Ländern vor den Monitor; den Umsatz von deutlich über zwei Millionen Euro in diesem Jahr macht Goodgame mit einem Bruchteil der Kunden, die für besondere Applikationen zahlen wollen.

Nach nur zwei Jahren am Markt hat sich die Spielefabrik neben Giganten wie Walt Disney Börsen-Chart zeigen etabliert, übrigens mit gerade mal 500.000 Euro Startkapital von Förderbanken, ohne Venture Capital. Nun heimsen die Brüder Auszeichnungen ein: 2009 wurden sie für das "Browser Game of the Year" gelobt, gerade erhielten die Wawrzineks die Auszeichnung als "Entrepreneure des Jahres".

Ein Mega-Erfolg, der zeigt, dass der Mythos vom Garagenunternehmer, der mit eigenen Händen ein tolles Unternehmen aufbaut, tatsächlich Realität werden kann.

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