Freitag, 27. März 2015

William Alsop, Architekt und Künstler Meister zweier Reiche

Künstlerisches Doppeltalent: Werke von William Alsop
Fotos
Daniel Stier

2. Teil: Heitere Ironie - und ein wenig Sehnsucht

Aufgewachsen in Northampton, klingen seine Kindheitserinnerungen wie das reinste Architekten-Klischee. Seine Schwester und er verbrachten viel Zeit bei einer lieben älteren Nachbarin, die in einem 1926 von Peter Behrens gebauten Haus lebte. Innen war alles voller Design von Charles Rennie Mackintosh. "Das guckst du dir an und merkst, dass es irgendwie anders aussieht als bei dir zu Hause. Das hat mich beeinflusst."

Bevor Alsop für ein Architekturstudium nach London ging, studierte er Kunst und musste wochenlang Ziegelsteine abzeichnen. Der Akt des Malens habe ihn immer entspannt, das mache den Kopf frei vom Denken über Budgets und Bauherren. Und natürlich ist Alsop damit keine Ausnahmeerscheinung. Unzählige Architekten vor ihm sind beim Malen auf die besten Ideen gekommen. Le Corbusier war seine Malerei regelrecht heilig. Er bezog sich immer wieder auf die Idee Michelangelos, nämlich Malerei, Skulptur und Architektur als einen untrennbaren Akt zu verstehen.

Alsop arbeitet am liebsten mit Acryl, das trockne schneller und passe besser zu seinem Tempo beim Denken. Inzwischen dürfen sogar seine Mitarbeiter in die Atelierwelt übertreten, sich einen Pinsel schnappen und in die gemalten Gedanken ihres Chefs eingreifen. Es ist wie ein stiller Dialog über einen ersten, zarteren Impuls, ohne stundenlang in Meetings darüber reden zu müssen. Man malt sich die Ideen aus dem Kopf. "Machst du ein bisschen weiter?", fragt Alsop dann. Die fertigen Bilder, seien sie nun diffuse Vorläufer für Gebäude oder großformatige Kunst an der Wand eines Sammlers, erinnern in ihrer Art immer auch an die Werke des Neo-Expressionismus. Selbst wenn der Architekt solche Vergleiche sicher nicht hören will.

Heiteres Durcheinander von Fantasiegewächsen

Eher hat seine Üppigkeit der Farben und Formen mit seinem schon lebenslangen Interesse an der Natur zu tun, Alsop verbringt viele Tage in seinen eigenen Gärten in England und auf Menorca. Und im Grunde wachsen seine Pflanzen auch in seiner Architektur weiter, zum Beispiel als Dachkonstruktionen, die ähnlich Keimlingen und Blüten in den Himmel schießen wie bei der Freizeitmeile Clarke Quay in Singapur. Seiner Bilder betitelt er mit zum Teil humorvoller Gelassenheit: "I wish my garden was really like this" heißt eines - ein heiteres Durcheinander diverser Fantasiegewächse.

Doch hinter der Ironie könnte man auch eine gewisse Sehnsucht vermuten. Den Alltag des immer komplexeren Architekturberufes einfach hinter sich zu lassen und nur noch im Garten zu stehen und zu malen. Und ungefähr das kündigte er vor zwei Jahren plötzlich an. "Will Alsop verlässt die Architektur, um nur noch zu malen!", hyperventilierten die Medien. In Wahrheit war er nur gerade dabei, sich von seiner damaligen Firma zu trennen. Doch der Wirbel um dieses Gerücht gefiel ihm durchaus. "Sie sollten es ruhig denken. Denn meine Malerei wird in Zukunft auf jeden Fall eine noch größere Rolle in meinem Leben spielen."

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