Sonntag, 25. September 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Euro-Rettung Die Repressions-Rally

"Die Schutzmauer muss spätestens vor Italien stehen", sagt Bert Flossbach. "Sonst wäre auch Frankreich weg - und wir auch"

Es war ein Gipfelentschluss unter Anstrengung - am Ende stemmten Europas Regierungschefs ein neues Paket. Doch diese Euro-Rettung um jeden Preis entwertet unser Geld, sagt Vermögensverwalter Bert Flossbach. Das könnte eine Aktienrally auslösen.

Hamburg - Investoren feiern die Einigung beim Euro-Rettungsgipfel, der Dax Börsen-Chart zeigen steigt um rund 4 Prozent auf mehr als 6200 Punkte. Das könnte erst der Anfang einer großen Rally sein, wenn Vermögensverwalter Bert Flossbach Recht behalten sollte.

"Vielleicht stehen wir vor einem Bullenmarkt bei Aktien", sagt Flossbach. Er ist Co-Gründer von Flossbach & von Storch, einem der größten bankunabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland. Für seine Kunden verwaltet er mehr als 5 Milliarden Euro.

Der Grund für eine Rally sind diesmal allerdings keine guten Wirtschaftsaussichten, sondern die Flucht der Anleger in Sachwerte. Und dazu gehören Aktien, sagt der ehemalige Banker der US-Investmentbank Goldman Sachs. Die Ereignisse vom Mittwoch haben Flossbach in seiner Überzeugung bestärkt, dass die Politik alles zu tun bereit ist, um Staatspleiten und Bankzusamenbrüche zu verhindern.

"Angela Merkel hat vor dem EU-Krisengipfel im Bundestag erneut den Euro mit Europa und Frieden gleichgesetzt. Das treibt die Politik", sagt Flossbach. Daher sei klar, was weiter passieren müsse: "Der Euro-Rettungsfonds EFSF und ab Sommer der Europäische Stabilitätsmechanismus kaufen Anleihen der Problemstaaten, besonders Italiens, bis der Arzt kommt", prognostiziert er. Ein Schuldenschnitt bei Griechenland sei unvermeidlich, bei großen Ländern aber nicht vorstellbar - denn dann wären auch Geldhäuser wie die Deutsche Bank in Not.

"Die Schutzmauer muss spätestens vor Italien stehen - sonst wäre auch Frankreich weg, und wir auch", sagt Flossbach.

Der hohe Preis der Rettungsaktionen sei aber, dass die Schulden auch bei bislang solide wirtschaftenden Euro-Staaten immer weiter steigen. Schon droht Frankreich seine Spitzen-Bonitätsnote zu verlieren. "Die Frage ist, wie wir von dieser hohen Staatsverschuldung herunterkommen", sagt der Vermögensverwalter. Das Wachstum, um aus den Schulden herauszuwachsen, gebe es nicht. Ein Gesundschrumpfen, also ein Heraussparen aus den Schulden, funktioniere ebenfalls nicht, wenn dies die großen Industriestaaten der Welt alle gleichzeitig versuchten, also keine ausgabefreudigen Abnehmer für die Waren mehr blieben.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH