Montag, 17. Dezember 2018

Benarrow PB 5 Der Silberpfeil von der Mosel

Das Auto, von dem sie träumten, war nirgends zu bekommen. Also bauten einige deutsche Manager sich das Fahrzeug einfach selbst. Der Sportwagen kam bei Freunden so gut an, dass jetzt eine Kleinserie geplant wird. Eine Testfahrt mit dem neuen Renner aus Mülheim.

Mülheim - Eigentlich baut die Firma Benninghoven aus Mülheim an der Mosel Mischsysteme für Asphalt, ohne die Straßenbauer keinen Meter Autobahn teeren könnten. Das Geschäft läuft erfolgreich, doch zum 100. Geburtstag des Familienunternehmens nahm sich das Management ein ganz anderes Projekt vor. Weil ein paar der Führungskräfte, die gern anonym bleiben wollen, nirgendwo ihren Traumwagen finden konnten, ließen sie sich das Auto einfach bauen. So erzählt Firmensprecher Harald Rettig die Story und zeigt dann auf ein rasantes Coupé, in dem man nur noch mit viel Phantasie einen Audi S5 erkennt. Das Modell aus Ingolstadt lieferte nämlich die Basis für den erstaunlichen Eigenbau.

Der erste Prototyp wurde im vergangenen Herbst bei der Jubiläumsfeier von Benninghoven gezeigt und kam bei den Gästen so gut an, dass er nun als Benarrow PB 5 tatsächlich in Serie gehen wird. In eine Kleinserie natürlich. "Mehr als ein Auto pro Monat ist nicht machbar", schränkt Rettig ein. Sollte allerdings die Nachfrage für das knapp 270.000 Euro teure Coupé steigen, könne die Manufaktur, die den Rohbau in England baut und den Feinschliff in Wittlich an der Mosel erledigt, auch zwei Autos pro Monat fertig stellen.

Der Name Benarrow setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Firma Benninghoven und dem englischen Wort für Pfeil (arrow) zusammen. Dem zehnköpfigen Team dieser Marke mangelt es weder an Enthusiasmus, noch an Geld - doch das Knowhow für den Automobilbau muss erst nach und nach erworben werden. Einiges an Kompetenz wurde daher komplett eingekauft. Das Basisfahrzeug kommt, wie schon erwähnt, von Audi. So lässt sich der Wagen praktisch überall auf der Welt warten oder reparieren.

Den stärkeren Motor und das strammere Fahrwerk steuert der renommierte Audi-Tuner MTM aus Wettstetten bei Ingolstadt bei, das Leder stammt aus einer britischen Sattlerei, die auch Bentley beliefert, und das Design des Coupés entstand als Projektarbeit an der University of Coventry. Das erklärt nicht nur die aus manchen Perspektiven sehr britische Linienführung, die inspiriert ist von Bentley und Jaguar, sondern das erklärt vielleicht auch ein paar schräge Proportionen. In Coventry wurde übrigens auch der ehemalige BMW-Design-Querdenker Chris Bangle ausgebildet.

Leder in allen Farben, aber drunter eben doch ein Großserienauto

Das fertige Auto, der Benarrow PB 5, ist ein markantes Coupé, das mit dem Audi A5 nur noch Dach und Türen gemein hat. Alle anderen Karosseriebauteile wurden neu geformt und zudem mit reichlich Karbon beplankt. Resultat sind eine aggressiv dreinblickende Frontpartie mit weit nach unten gezogener Motorhaube und angeschnittene Knopfaugen-Scheinwerfern, schlanke und zugleich kräftige Flanken sowie eine um 18 Zentimeter in die Länge gewachsene Karosserie. Das Heck wölbt über dem breiten Diffusor so hoch und rund, dass es fast an einen Ferrari erinnert.

Gibt der Benarrow außen den Leistungsträger, schwelgt man innen im Luxus. "Was Rolls-Royce kann, das können wir auch", sagt Rettig und erwähnt mehrere hundert Lederfarben, zwischen denen die Kunden wählen können. Außerdem gibt es einen schmucken Trimm aus Karbon und Aluminium, der die Großserientechnik elegant kaschiert. Trotzdem können neue Instrumente und fein belederte Sitze nicht über die bürgerlichen Wurzeln des Benarrow hinweg täuschen.

Das alles wird jedoch zur Nebensächlichkeit, sobald man den Schlüssel ins neue Zündschloss auf der Mittelkonsole gedrückt hat. Während der Audi S5 auf 353 PS kommt, holt Benarrow dank eines riesigen Kompressors 506 PS aus dem Motor und lupft den Gipfel der Drehmomentkurve auf 540 Nm. Entsprechend schnellt der Silberpfeil von der Mosel davon.

Vom Kompressor getrieben, erreicht der Wagen mehr als 300 km/h

Während die turbinenartig gestalteten Felgen der 20-Zoll-Reifen vor den Augen des Betrachters verschwimmen, erreicht der Wagen nach nur 4,6 Sekunden Tempo 100 - und danach geht es ähnlich rasant weiter. Audi riegelt den Vortrieb des Serienmodells bei 250 km/h ab, der Benarrow PB 5 darf weiter rasen und erreichte bei Testfahrten auf der Rennstrecke bereits knapp mehr als 300 km/h.

Passt ein solcher Luxus-Sportwagen in die Zeit? Eher nein. Andererseits gibt es schon genug Autos von der Stange. Und vor allem im Osten Europas kommt der PB 5, der zwar dreimal so viel kostet wie ein Audi S5, damit aber noch immer weniger als ein exklusiv veredelter Ferrari, Bentley oder gar Bugatti, offenbar gut an. Der erste Kunde der kleinen Marke kam aus Bukarest, und auch die zwei nächsten Autos wurden in diese Richtung verkauft. Wobei - auf vielen rumänischen Straßen dürfte es kein Spaß sein, mit dem straffen Benarrow unterwegs zu sein. Dort wären einige Asphalt-Mischmaschinen von Benninghoven sicher das sinnvollere Investment.

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