Freitag, 22. März 2019

Sa Dragonera Schmuggler und Drachen

Mallorcas kleine Schwester: Insel der Drachen und Piraten
TMN

Einst lebten Piraten und Schmuggler auf Sa Dragonera. Heute treiben nur noch Drachen ihr Unwesen auf der wilden kleinen Nachbarinsel Mallorcas - die kleinen Echsen sind allgegenwärtig. Wer sich vom Ferientrubel erholen will, ist auf den wilden Wanderpfaden des Eilands genau richtig. 

Palma de Mallorca - Auf Sa Dragonera fallen die Drachen recht mickrig aus. Gerade einmal zehn Zentimeter lang werden sie, in puncto Mut aber stehen sie den geflügelten Ungeheuern aus der Fabelwelt in nichts nach. Sie sind flink, listig und beißen den Touristen gern einmal in die Hand, wenn er nichts zu fressen mitbringt.

Auf der Insel gibt es Hunderttausende von ihnen. Diese Eidechsen leben nur auf Dragonera und gaben der Insel an der Südwestspitze Mallorcas ihren Namen. Viele Touristen wie auch Einheimische glauben allerdings, der Name der 1995 zum Naturpark erklärten Insel stamme von ihrer Form. Am Hafenkai in Sant Elm, an dem das Fährschiff zur nur 800 Meter entfernten Insel ablegt, versuchen Besucher, die Drachenform zu erkennen. Und mit etwas Fantasie gelingt das auch: Ein Vater aus Barcelona erklärt seinem kleinen Sohn Jorge, wo genau sich der Drachenkopf befindet und wo der Schwanz mit den gewaltigen Zacken beginnt.

Je länger man hinschaut, desto mehr erinnert die Insel wirklich an einen schlafenden Drachen, dessen Schwanzschuppen in die Luft ragen. Sie sind die Fortsetzung des Tramuntana-Gebirges im Nordwesten Mallorcas. Dragonera ist gerade einmal 4,2 Kilometer lang und 900 Meter breit. Doch ihre dem Meer zugewandte Nordwestseite ragt bis zu 353 Meter in die Höhe. Die Steilklippen fallen hier spektakulär mehrere Hundert Meter senkrecht in die Tiefe ab.

Buchten, Grotten und Steilklippen

Auf der Spitze thront der Leuchtturm Far Vell, den man auf einer knapp drei Stunden dauernden Wanderung besuchen kann. Die dem Land zugewandte Südostflanke läuft hingegen in eine flache Felsküste mit einsamen Buchten, Höhlen und Grotten aus. Die größte Bucht ist die Cala Lladó.

Fast stündlich fährt Kapitän Pep mit seiner "Margarita" von Sant Elm hinüber in die "Räuberbucht". Hier legten schon vor Jahrhunderten Piraten an, um ihr Diebesgut zu verstecken. Bis weit ins 20. Jahrhundert waren es dann Schmuggler, die auf Dragonera sich und ihre Ware wie Kaffee, Zucker und Tabak vor der Polizei verbargen. "Nicht selten gehen Familien mit ihren Kindern sogar auf die Suche nach den Verstecken", erzählt Parkwächterin Mika Noguera. "Immerhin kann man noch 42 alte Schmugglerhöhlen finden."

Die Fahrt ins Reich der Drachen dauert gerade einmal 15 Minuten. Wer allerdings die unbebaute Küste Dragoneras entlang wandert, bekommt das Gefühl, eine Zeitreise ins Mallorca des 19. Jahrhunderts zu machen.

Von der Räuberbucht führt ein wunderschöner, gut ausgebauter Wanderweg zum südwestlichen Leuchtturm an der Cala Llebeig. An ihrem Rand fallen die Klippen beunruhigend tief ab. Ganz und gar nicht beunruhigt von der menschlichen Präsenz sind die vielen Mittelmeermöwen, die auf dem Weg sitzen und nur ungern weichen. "Vor einigen Jahren waren es so viele, dass sie zu einer richtigen Plage wurden", sagt Noguera. "Wir mussten Tausende abschießen. Es war wie in Alfred Hitchcocks Film 'Die Vögel'. Fast schon gruselig."

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