Donnerstag, 21. September 2017

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Managementtraining Von Pferden lernen heißt führen lernen

Pferde als Trainer von Führungskräften: Statt Frontalunterricht die Konfrontation mit dem Pferd - das Prinzip "Herdenchef"
Katja Zieroth
Pferde als Trainer von Führungskräften: Statt Frontalunterricht die Konfrontation mit dem Pferd - das Prinzip "Herdenchef"

Führen ohne Autorität funktioniert nicht. Doch nur 10 Prozent der Menschen haben eine natürliche Autorität. Wie Pferde diesem Mangel abhelfen können, erlebten Mitglieder der manager lounge.

Düsseldorf - Der Sand knirscht unter den Füßen, auf einigen Biergartenbänken nahe den hölzernen Wänden der großen Halle sitzen Menschen in robuster Freizeitkleidung. Ein Managementtraining - auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Denn die Dozenten sind Pferde.

Pferde als Managementtrainer - "alles Blödsinn", so klingen dann auch die Vorbehalte, denen Michael Stieghorst am häufigsten begegnet. Stieghorst ist Mitbegründer von Herdenchef. Die dahinterstehende Idee ist ganz einfach: Pferde sollen Menschen Aufschluss darüber geben, wie sie auf andere wirken. Vor allem, ob sie zum Beispiel so viel Autorität haben, wie sie sich das wünschen - und wie es eine leitende Position erfordert. Denn menschliche Mitarbeiter folgen auch der schwächsten Weisung bestenfalls halbherzig. Pferde sind da deutlicher. Wer Snoopy keine klare Anweisung erteilen kann, darf sich daher nicht wundern, wenn sich das Tier auf dem Boden wälzt, statt nach links zu gehen.

Klare Ansage des Pferdes also, wenn sie vom Menschen fehlt. Genau darum geht es; dem Gegenüber eine klare Anweisung zu geben. Das funktioniert nur zum Teil über das gesprochene Wort. Viel wichtiger ist die Haltung. Das also, was beim Mitarbeiter als Glaubwürdigkeit ankommt. Führt ein Chef beispielsweise starke Reden, lässt aber die Schultern hängen und sieht niemandem in die Augen, kommt die Botschaft zwar an. Doch sie ist nicht glaubwürdig. Und das schlägt sich auch in der Motivation der Adressaten seiner Reden nieder. Natürliche Autoritäten, es gibt sie nur selten, so Stieghorsts Beobachtung.

Vielleicht 10 Prozent der Menschen hätten so eine Ausstrahlung. "Und die, die es am meisten von sich behaupten, sind in der Regel die mit den größten Defiziten." Genau da will Stieghorst einhaken. "Wir vermitteln, dass nur mit Authentizität diese natürliche Autorität überhaupt möglich ist. Werte wie Respekt und Vertrauen müssen verinnerlicht und gelebt sein. Stärke und Ruhe müssen spürbar sein." Pferde gelten als intuitive Tiere, die jegliche Form der Fassade recht schnell entlarven.

Auch Hunde könnten das. Mit einem entscheidenden Unterschied - Pferde sind Fluchttiere. Wenn ein Pferd in also eine unsichere Situation kommt, wird es eher den Rückzug antreten. Hunde dagegen sind keine Fluchttiere. Und könnten zubeißen.

Stieghorst selbst weiß, wovon er spricht - seit 2007 arbeitet er mit Pferden. Der Unternehmensberater kam seinerzeit eher zufällig zum "pferdegestützten Lernen". Seine heutige Geschäftspartnerin Sandra Schneider hatte sich nach Jahren in Unternehmensberatungen als Lehrerin für Westernreiten selbstständig gemacht und wollte 2007 auch Kurse in so genannter Bodenarbeit anbieten - Stichwort "Pferdeflüsterer", so Stieghorst. Das hieß, "kein Reiten und kein körperlicher Kontakt zum Pferd". Er fand sich also als Testkandidat einem Pferd gegenüber und musste in diversen Übungen mit dem Tier kommunizieren, um die Hierarchie zu klären und um die Gefolgschaft des Tieres zu bekommen.

Obwohl weder Reiter noch sonderlich pferdebegeistert, bewegte ihn diese Erfahrung sehr. "Ich erkannte so viele Parallelen zu den Inhalten meiner Führungskräftetrainings, dass mich das nicht mehr losgelassen hat. In klassischen Leadership- und Kommunikationstrainings bemühen wir Rollenspiele, Videoaufnahmen und viele andere Übungsformen - dort habe ich in zwei Stunden zu diesen Themen so viel erlebt und erfahren wie sonst in zwei Tagen". Seitdem sieht er sich als "Überzeugungstäter". Immerhin dauerte es noch drei Monate, bis die Inhalte aus Pferde- und Managementtraining aufeinander abgestimmt waren und ein "marktfähiges Produkt" entwickelt war, wie Stieghorst sagt.

Auch die gelegentliche Skepsis der Teilnehmer stört ihn keineswegs. "Wir wollen mit Herdenchef doch gerade einen Reflektionsprozess in Gang setzen - hinterfragen und lebhafte Diskussionen gerade zum Thema der Übertragbarkeit werden von allen als sehr wertvoll empfunden." So auch bei der aktuellen Veranstaltung in Düsseldorf. Sie wirke "noch immer sehr intensiv und positiv nach", sagt einer der Teilnehmer. Stieghorst dürfte das gern hören.

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