Samstag, 17. November 2018

Sylt Das Prinzip Sansibar

Sansibar: Zu Gast bei Dünenkönig Herbert Seckler
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Erfolg kann man vielfältig dokumentieren. Eine exklusive Villa, eine teure Jacht, eine Titankreditkarte. Aber wer wirklich wichtig ist, den erkennt man daran, dass er in der Sansibar auf Sylt immer einen Tisch bekommt. Ein Besuch bei Dünenkönig Herbert Seckler.

Rantum - Der große Parkplatz der Sansibar ist brechend voll. Das sieht man von der Straße aus, und das große Schild "Parkplatz belegt - nächster Parkplatz 300 Meter" ist weithin lesbar, auch der freie Parkplatz selbst ist in Sichtweite. Vor dem Schild aber stehen an diesem heißen Sommermittag mit laufenden Motoren ein weißer BMW aus München, ein schwarzer Edelmercedes, ein rotes Audi-Cabrio. Die Menschen darin, sportlich wirkend, jung, sicherlich mehr als fit genug für einen 300 Meter langen Spaziergang, scheinen es einfach nicht gewöhnt zu sein, die Macht des Faktischen als limitierend für ihre eigenen Bedürfnisse zu akzeptieren.

Willkommen auf Sylt. Auf der Promi-Insel ist alles ein wenig anders als im normalen Leben. Und das ebenfalls etwas andere Restaurant, das diesen Lebensstil in Reinform verkörpert, ist Herbert Secklers Sansibar, wenige Kilometer südlich von Rantum auf der Südseite der Insel. Der Strand dort ist offiziell als FKK-Gelände ausgewiesen, aber hier gibt sich eigentlich fast nie jemand eine Blöße, erzählt die junge Frau, die am Strandaufgang die Kurtaxe kassiert.

Die berühmteste Strandbude Deutschlands sieht mit ihrem dunklen Holz aus wie eine Skihütte. Vom Parkplatz aus sind es noch wenige hundert Meter durch Dünenidylle zu laufen - oder zu fahren. Daimler betreibt einen mit hochkarätigen Wagen bestückten Werbestand am Sansibar-Parkplatz, um die Zielgruppe genau da abzuholen, wo sie sich befindet.

Das kann man wörtlich nehmen, denn es gibt dort auch einen Shuttle-Service mit Mercedes-Fahrzeugen, der echte und Möchtegern-VIPs in schwarzen Fahrzeugen mit Sansibar-Logo durch die Dünen fährt, hin zu der gastronomischen Einrichtung, die man auch ohne Schuhe betreten darf und in der es wahlweise Currywurst mit Bratkartoffeln (11 Euro) oder kaspischen Ossetra-Kaviar (30 Gramm 135 Euro) gibt. Der Gourmetführer Gault Millau kürte Herbert Seckler 2009 zum Restaurateur des Jahres, das Magazin "Feinschmecker" zeichnete die Sansibar jüngst als eines der besten Fischrestaurants Deutschlands aus.

Beschimpfungen am Telefon

Sobald die ersten Sommersonnenstrahlen auf Sylt treffen, sind auch die Klatschblätter da und berichten aufgeregt von den aktuellen Sichtungen an der Sansibar: Guido Westerwelle war in diesem Sommer schon da, Jogi Löw natürlich, Günther Jauch und Boris Becker. Günter Netzer, Michael Rummenigge und Modemacher Wolfgang Joop zählen ebenso fast zum Inventar wie Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, dessen Stammplatz eine kleine Messingplakette markiert. Es gibt Leute in Deutschland, die ihren Sylt-Urlaub um eine geglückte Reservierung in der Sansibar herum planen.

"Die drei Mädchen, die am Telefon die Reservierungen annehmen, muss ich ganz oft austauschen, weil die so beschimpft werden", sagt Herbert Seckler. Phänotypisch ist der gebürtige Schwabe, 58 Jahre alt, das Urbild des freundlichen Wirts: Ein gemütlicher Bauch, Doppelkinn, ein lässiges Hemd, ziemlich lange Haare, nach mehr als 30 Jahren Sylt noch immer freundlich schwäbelnd.

10 bis 20 Prozent der Plätze in der Sansibar gibt er nicht in die Reservierung, damit für wichtige Gäste immer ein Platz frei ist. 160 Innenplätze hat er und etwa 250 draußen, serviert wird abends in zwei Schichten, ab 18 und ab 20 Uhr, bis zu 3000 Essen kommen im Sommer täglich aus der Küche. Man kann sich also vorstellen, was am Telefon los ist, wenn einer, der sich nur für wichtig hält, da mal keinen Platz bekommt.

Wichtigkeit und Höflichkeit korrelieren oft, wenn man Seckler glaubt: "Je besser die Leute sind, desto einfacher ist es, mit denen zu arbeiten. Die sind gewöhnt, bedient zu werden, und schätzen gute Dienstleistung. Es ist viel einfacher, solche Leute glücklich zu machen, als welche, die es nicht gewohnt sind." Fragt man Seckler, was Prominenz ausmacht, sagt er: "Menschen, die kontinuierlich an vorderster Front stehen, haben auch eine besondere Fähigkeit: Das hat man oder man hat es nicht. Dazu kommt noch Fleiß - und dass man mit den Beinen auf der Erde bleibt. Die Leute, die über Jahre hinweg wer sind, die entwickeln auch eine Aura."

Das ist auch eine Selbstbeschreibung. Seckler arbeitet, sagt er, fast immer; reine Freizeit ist ihm ein Graus, da langweilt er sich. Die Schlüsselpositionen seines Unternehmens, das in der Saison bis zu 170 Mitarbeiter beschäftigt, hat er deshalb doppelt besetzt, damit immer einer da ist, wenn er ihn braucht.

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