Freitag, 1. Juli 2016

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Arbeitsplatz Firmengarten Ich bin dann mal draußen

Firmengärten: Im grünen Bereich
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Viele Unternehmen setzen auf eine grüne Umgebung. Das macht sich nicht nur gut fürs Image, sondern kann auch Mitarbeiter binden und motivieren. Eine Steuerberaterkanzlei am Niederrhein hat sogar einige Besprechungszimmer ins Grüne verlegt - mit Hecken statt Wänden.

Straelen - Nüchtern und sachlich, so ist die gängige Vorstellung von Steuerberater- und Wirtschaftsprüferbüros. Doch wer die Kanzlei von Daamen, Müller und Hufschmidt in Straelen am Niederrhein besucht, wird eines anderen belehrt. Opulente 11.000 Quadratmeter Garten säumen das Gebäude - aber nicht als Villengarten mit Rasen und Blumenrabatten. Stattdessen gliedern streng geschnittene Hecken die Fläche.

So entstehen mal große, mal kleine grüne Räume als Fortsetzung der Zimmer drinnen im Gebäude. Jeder grüne Raum besitzt verborgen und gut abgeschirmt einen Sitzplatz. Um ihn herum führen Zierkirschen, Zieräpfel, Magnolien, Rhododendren und Hortensien einen Blütenreigen auf, während sich Narzissen und Hasenglöckchen, Funkien, Astilben und Taglilien zu ihren Füßen ausbreiten.

Rund 50 Menschen arbeiten in der grünen Kanzlei. Spielt das Wetter mit, treffen sie sich auch draußen in den Gartenräumen zu Besprechungen. Dort stimmen sie Termine ab, legen Strategien fest oder ziehen sich mit ihren Klienten in einen der "grünen Räume" zurück. "Um die Vertraulichkeit der Gespräche zu wahren, hatten die Gartenräume früher noch nicht einmal Zugang untereinander", erklärt Uschi Müller, aus deren Hand das Konzept für Gebäude und Garten stammt und die mit ihrer Galerie drinnen und draußen künstlerische Highlights setzt. "Aber die Mitarbeiter wollten zumindest einen schmalen Weg haben, der die Räume miteinander verbindet."

13 Jahre ist das ungewöhnliche Konzept der Kanzlei inzwischen alt und hat sich sehr bewährt. Die Fluktuation ist gering, denn Betriebsklima und Arbeitsatmosphäre werden hoch geschätzt. Aber noch ein anderer Gesichtspunkt spielt eine Rolle. Schon bei der Planung stand die Frage im Raum, wie die Kanzlei sich gegenüber der zahlreichen Konkurrenz abheben könnte. Heute ist klar: Für die Bindung der Klienten spielt der Garten eine wichtige Rolle.

Fehlerquoten sinken im grünen Bereich

Überzeugt, den richtigen Schritt mit der Neuplanung der Firmenzentrale in Coesfeld-Lette getan zu haben, ist auch Kurt Ernsting, Seniorchef des Unternehmens Ernstings family. "Die Fehlerquote der Mitarbeiter hat sich deutlich verringert, seit sie in dem grünen Umfeld arbeiten", erzählt er. In den 90er Jahren, als die Planung begann, war klar, dass die neue Firmenzentrale nicht nur mehr Raum bieten sollte. Sie musste sich auch in die ländlich geprägte Umgebung des Münsterlandes einbetten.

Heute erheben sich drei klare Baukörper aus einer großzügigen Grünanlage, die jedermann offen steht. Aus der Hand von Peter Wirtz, einem belgischen Gartenarchitekten, stammen die sanften, von Gräsern gekrönten Hügel, die wie Wogen auf die Gebäude zuzulaufen scheinen. Weht der Wind durch die Halme, verstärkt sich der Eindruck des Fließens und Strömens, dem einzelne markante Bäume Halt gebieten.

Ins Grüne schauen auch die Mitarbeiter der Landesbausparkasse in Hannover. Dabei ist der Gebäudekomplex von außen ein wahrer Glaspalast. Aber innen wird der Baukörper durch vier jeweils rund 250 Quadratmeter große Innenhöfe gegliedert. Tropische und subtropische Vegetation mit hohen Bäumen, Büschen und Kräutern machen sich dort unterm Glasdach breit.

Dass Pflanzen sogar in nüchterne Industriehallen einziehen können, lässt sich bei BMW in München erleben. In einer der Fertigungshallen ziehen sich lange Trogbänder unter der Hallendecke hin. Aus ihnen rankt es grün herab auf die Mitarbeiter, die unter dem wilden Wuchs an Fahrzeugkomponenten arbeiten.

Helga Panten, dpa

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