Freitag, 16. November 2018

Möbeldesign Alles leuchtet

Möbeldesign: Leuchtregale und Blinktische
Moree / TMN

In Schubladen und Schränken wird es hell. Die winzigen Licht emittierenden Dioden (LEDs) leuchten hell, ohne viel Platz wegzunehmen - und bieten Möbelgestaltern damit völlig neue Möglichkeiten, poppige, dezente oder romantische Effekte zu kreieren.

Köln - Leuchtende Tische, helle Schubladen und Regale, die die Farbe wechseln - die neue Lichttechnik der LEDs inspiriert Möbelgestalter zu bisher noch nicht dagewesenen Kombinationen. "Kosten, Komfort und Funktion passen jetzt genau zusammen", sagt Ursula Geismann vom Verband deutscher Möbelhersteller in Bad Honnef. Noch vor kurzem seien die Lichtelemente zu klobig, der Einbau zu aufwendig und die Lichttechnik zu schlecht gewesen. Leuchten wurden schnell heiß. "Jetzt ist die Technik so weit. Und es kommt der Entwicklung zugute, dass die Glühbirne allmählich vom Markt verschwindet."

Das neue Kunstlicht bringt Atmosphäre in das Möbeldesign. Es lässt sich auf Knopfdruck individuell gestalten, denn die Leisten mit den kleinen Dioden sind programmierbar. So gibt es Laufleisten mit ständig wechselnder Lichtfarbe. Badezimmerschränke oder Vitrinen können von innen in sanftes Licht getaucht werden, Regale in poppiges Blau oder Grün. Die Dioden strahlen Rot, Grün und Blau - aus der für das Auge nicht wahrnehmbaren schnellen Abfolge dieser Farben lassen sich Millionen Farbtöne herstellen. Dazu werden die einzelnen Dioden sehr eng nebeneinander geklebt.

"Eine einzelne Diode kann Rot, Grün und Blau ganz schnell hintereinander darstellen. Ein Chip sorgt dafür, dass sie alle zum selben Zeitpunkt anspringen und ein gleichmäßiges Erscheinungsbild ergeben", sagt Wolfram Bliefert, Teilhaber des Lichtplanungsbüros Lumen³ in München. "LEDs sind sehr platzsparend und haben eine lange Lebensdauer", fügt er hinzu. Es seien also keine Extra-Bauteile mehr nötig. Und es sei sehr unwahrscheinlich, dass ein Möbel auseinandergenommen werden muss, um eine defekte LED zu ersetzen.

Petra Daniels-Abel hat ihr Unternehmen Xentelon im Februar 2009 gegründet, um den neuen Leuchten zu mehr Geltung und Einsatzmöglichkeiten zu verhelfen. "Mich hat immer gestört, dass im Möbeldesign so wenig mit dem Einsatz von Licht gearbeitet wird", sagt die Innenarchitektin. "Mit LEDs habe ich die Möglichkeit, flexibel zu beleuchten: Ich kann die dünnen Diodenstreifen rund, abschnittsweise oder hochkant kleben." Auch das Dimmen ist möglich.

Einlegeböden in allen erdenklichen Farben

Xentelon stellt beleuchtete Hängeschränke, Regale und CD-Ständer her, die auch die Farbe wechseln können. Ein "Lichtregal" hat der Anbieter Gera im Programm. Die Einlegeböden strahlen in allen erdenklichen Farben - Gelb, Pink, Blau oder Grün. Möglich ist auch eine Programmierung: "Ein Sensor am Möbel nimmt die Lichtstärke aus der Umgebung auf und reguliert das Licht entsprechend", erklärt Designer Thomas Ritt. "Ist es hell draußen, ist das Licht möglicherweise aus - ist es dunkel, geht es an."

Unter dem Boden hat Serafini aus Iserlohn die LEDs bei seinem Regal-Klick-System "Slide" angebracht. Die Böden werden in der Wand nach individuellen Bedürfnissen eingehängt. Die Firma Moree in Düsseldorf zeigt Lounge-Tische, deren Platten von unten per LED erleuchtet werden.

Eine Stehlampe in schlichtem Design zeigt in dieser Saison das Unternehmen Tunto Design aus Finnland. In minimalistischem Stil kombiniert sie Holz und LEDs. Die Verbindung von Holz und der modernen Leuchtdiode hatte Designer Mikko Kärkkäinen im Hinterkopf, sagt er. Ihm geht es nicht um den Disko-Effekt, die Lampe soll nicht Rot, Gelb oder Pink strahlen. Sie spendet sanftes, weißes Licht für die Schreibtischarbeit.

Im Handel werden zunehmend auch kleine LED-Lampen zur separaten Installation angeboten. Für fünf bis zehn Euro gibt es kleine Spots, längliche Modelle sind etwas teurer. Sie werden mit Batterien betrieben und haften mit einer Klebefläche an der Decke des Kleiderschranks, unter der oberen Küchenzeile oder an Regaldecken - so lässt sich auch nachträglich Licht ins Möbel bringen.

Thorsten Wiese, dpa

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