Donnerstag, 15. November 2018

Büromief Schlechter Olf, schlechte Arbeit

Für Gestank und Unwohlsein im Büro sind meist weder Klimaanlagen noch Teppichdünste verantwortlich. Wer tatsächlich am Arbeitsplatz die Luft verpestet, haben Wissenschaftler der Universität Jena herausgefunden.

Hamburg - Jeder Mensch hat einen Olf. Ob er will oder nicht, den Olf wird er nicht los. Manchmal schwebt er angenehm im Raum, manchmal belästigt er penetrant, und ab und zu stinkt er auch einfach ganz widerlich. Ein Olf, das ist per definitionem die Geruchsquellstärke, die jeder Mensch mit normal arbeitenden Drüsen bei leichter sitzender Tätigkeit, täglich wechselnder Unterwäsche und 0,7 Duschen pro Tag von sich gibt.

 Sensible Frauennase: Kein grundsätzliches Problem in geschlossenen Räumen
DPA
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Der Olf (von lat. Olfactus = Geruchssinn), in der Wissenschaft auch simpel als O. bekannt, gibt nichts über die Qualität des Duftes an. Er misst nur die Intensität seines Auftretens. So hat ein 12-jähriges Kind beim Spielen zwei O., duftet also zwei Mal so stark wie der Durchschnitts-Deutsche. Ein Athlet emittiert nach dem Sport 30 O., und bei einem starken Raucher misst der Experte immerhin 25 O. So setzt also auch jeder im Büro seine eigene Duftmarke, und die lässt sich auch durch After Shave und Markenparfum nur schwer übertünchen.

Wenn sich Angestellte im Büro über die schlechte Luft beklagen, ist die subjektive Seite des Olfs viel häufiger beteiligt als bisher vermutet. Nicht die Klimaanlage, der Dunst des Teppichbodens oder die Heizung sind Schuld, wenn sie sich über das Muffeln im Gebäude beschweren und sich deshalb krank fühlen. Viel öfter sind es die Kollegen und der Chef, die man einfach "nicht riechen" kann. Dabei kommt es nicht unbedingt auf die Stärke des Olfs an. Viel wichtiger ist, ob er als angenehm empfunden wird oder nicht.

Typische Geruchsemissionen in Olf
Menschen/Baustoffe Olf
Person sitzend, bei leichter Tätigkeit 1 O
spielendes Kind, 12 Jahre 2 O
starker Raucher 25 O
Athlet, nach dem Sport 30 O
Teppich, Wolle 0,2 O/m²
Teppich, Kunstfaser 0,4 O/m²
PVC/Linoleum 0,2 O/m²
Marmor 0,01 O/m²
Gummidichtung, Fenster oder Tür 0,6 O/m²
nach: KATALYSE Umweltlexikon-online

Wird dieser "gefühlte" Olf also nun als ranzig und abstoßend wahrgenommen, wirkt auch die Luft im Großraumbüro stickig auf die Angestellten. Das äußert sich dann in Symptomen wie Kopf- und Rückenschmerzen, Augenbrennen oder Übelkeit, so das Ergebnis einer Studie der Universität Jena.

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