Von Lutz Reiche
Hamburg - 1200 Punkte steiler Anstieg bis Mitte März, dann 1200 Punkte tiefer Fall bis Anfang Juni, heiße Achterbahnfahrt im Sommer, nervöses Auf und Ab auch bis Mitte November - die Zitterkurve des Dax hat in diesem Jahr vielen Anlegern den Schweiß auf die Stirn getrieben. Aber das Aktienjahr geht dank des Schlussspurts gut aus, so gut wie lange nicht mehr.
Die verbleibenden Handelstage werden die Jahresbilanz kaum noch trüben, Investoren haben ihre Bücher weitgehend geschlossen. Aktienstrategen wie Andreas Hürkamp von der Commerzbank sprechen von einer "sensationellen" Bilanz: Rund 30 Prozent hat der Dax
seit Jahresbeginn zugelegt, auf 35 Prozent bringt es der Nebenwerteindex MDax
. Dax und MDax lassen damit Dow Jones
, EuroStoxx 50
oder Nikkei
klar hinter sich.
Damit nicht genug. Im Frühjahr 2013 werden die größten deutschen Konzerne den Durchhaltewillen ihrer Aktionäre reichlich belohnen. Zwar setzt neben der Commerzbank
nun auch ThyssenKrupp
seine Anteilseigner auf Nulldiät. Dafür werden 28 der 30 Konzerne aber mindestens 28 Milliarden Euro Dividende ausschütten, rechnet Hürkamp vor. Lediglich im Jahr 2007 zeigten sich die Konzerne mit 29,4 Milliarden Euro großzügiger.
Hohe Ausschüttungen allein sind noch kein Qualitätsausweis
Mit Ausnahme der Deutschen Telekom
, die mehr als sieben Milliarden Euro allein auf ihre US-Mobilfunktochter abschreiben muss und 2012 mit einem dicken Nettoverlust abschließen wird, können sich die Konzerne die hohen Ausschüttungen auch leisten. Zwar haben Analysten ihre Gewinnschätzungen für die 30 Dax-Dickschiffe zuletzt gesenkt. Mit gut 70 Milliarden Euro würden die Unternehmen aber immer noch ein Gewinnplus von mehr als 15 Prozent in diesem Jahr erwirtschaften.
Einzelne Unternehmen wie Eon
und RWE
wollen laut Geschäftsbericht die Hälfte oder mehr ihres erwarteten Konzerngewinns auskehren, was ihre Dividendenrenditen in die Höhe schraubt. Eon (7,7 Prozent), RWE (6,4 Prozent) und Deutsche Telekom (8,2 Prozent) führen dabei die Liste der Dividendenkönige an. (Stand: 14. Dezember)
Doch ein Qualitätsausweis an sich ist das noch nicht. Hohe Gewinnausschüttungen sollten mit steigenden Gewinnen und steigenden Aktienkursen einhergehen - denn als Verhältnis zwischen Dividende und Kurs klettert die Dividendenrendite auch, wenn der Kurs einer Aktie stärker fällt als die Dividende. Von solchen optisch attraktiven Aktien sollten Anleger die Finger lassen.
Dividenden können auch lediglich ein Trostplaster sein: Mit hohen Ausschüttungen versuchen derzeit Konzerne wie Telekom, Eon und RWE, deren Kurs auf Fünf-Jahressicht tief im Minus liegt, ihre Aktionäre bei Laune zu halten. Die Firmen haben zudem mehr als andere mit hoher Konkurrenz (Deutsche Börse, Telekom) und tiefgreifenden Umwälzungen (Eon und RWE) zu kämpfen.
Im Gegensatz etwa zu Volkswagen
, BMW
oder BASF
schafften sie es auch nicht, einen nennenswerten Erlösanteil jenseits der Euro-Zone aufzubauen, sagt Hürkamp. Ihre Chancen, am globalen Wachstum zu profitieren und künftig stabile oder höhere Dividenden zu zahlen, seien daher geringer.
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