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08.12.2010
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Trend-Kolumne

Gnadenlose Transparenz

Von Andreas Steinle

Ein Fenster ins Unternehmen: Wenn Mitarbeiter auf Facebook kommunizieren, ist das eine große Chance zur Außendarstellung
DPA

Ein Fenster ins Unternehmen: Wenn Mitarbeiter auf Facebook kommunizieren, ist das eine große Chance zur Außendarstellung

2. Teil: Der Geist geht nicht zurück in die Flasche

Verbote taugen da nur wenig. Der Geist, der einmal aus der Flasche entwichen ist, lässt sich nicht wieder einfangen. Klüger erscheint es, die kommunikative Power der Mitarbeiter in die richtige Richtung zu lenken. Die Britische Broadcasting Corporation (BBC) beispielsweise ermutigt ihre Mitarbeiter sogar, in sozialen Netzwerken wie Facebook aktiv zu sein und für das interne Networking zu nutzen.

Hierfür hat das Unternehmen Social Media Richtlinien entwickelt, welche die Mitarbeiter zum selbstverantwortlichen Umgang mit Informationen im Web 2.0 befähigen sollen. Dazu John Linwood, Chief Technical Officer der BBC: "Ganz klar birgt das auch Risiken, aber wir sind überzeugt, diese werden weitaus von den Chancen übertroffen."

Die Chancen liegen in einer offenen, kreativen Unternehmenskultur. "Innovation happens when making new connections", bringt es die Innovationsforscherin Bettina von Stamm auf den Punkt. Das Neue entwickelt sich aus der Vernetzung von Ideen und Menschen. Wenn Unternehmen ihre Innovationskraft erhöhen wollen - und das müssen sie in den Hochlohnländern - dann müssen sie auch ihren Vernetzungsrad erhöhen, nach innen wie nach außen.

Dafür brauchen Mitarbeiter wiederum mehr Freiheiten. Die Folge ist eine Demokratisierung der Kommunikation, die sich durch "laute Vielstimmigkeit und gnadenlose Transparenz" auszeichnet, wie der Konzernsprecher der Otto Group, Thomas Voigt, kürzlich in einem Interview mit der Zeitschrift für Marketing "Horizont" sagte. Seiner Ansicht nach geht es daher in Zukunft vor allem darum, den Mitarbeitern zu vertrauen.

Vertrauen ist die effizienteste Form des Managements, denn Vertrauen reduziert Kontrollkosten. Die Vertrauensarbeitszeit hat mittlerweile in der Unternehmenswelt Einzug gehalten - auch hier waren die Skeptiker anfangs laut. Nun ist es an der Zeit, die Vertrauenskommunikation einzuführen. Oliver Dziemba, Autor der Studie "Future Company", zieht folgendes Fazit: "Nur wer es künftig schafft, Kontrolle abzugeben und Vertrauen zu schenken, kann sich die Netz-Power und das Social-Media-Know- How seiner Mitarbeiter zunutze machen, um eine zukunftsfähige Unternehmenskultur zu entwickeln."

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