Hamburg - Dem britischen Thronfolger haftet von jeher der Ruf an, ein unglücklicher Tropf zu sein, der mit untrüglichem und tragischem Instinkt jeden seiner seltenen PR-Erfolge ins Gegenteil zu verkehren imstande ist. Genau das ist nun auch in der Dumfries-Affäre der Fall.
Wie die britische "Times" berichtet, hat sich der Kauf eines 43 Millionen Pfund teuren Anwesens, an dem Charles maßgeblich beteiligt war - ein Deal, den man vor drei Jahren als "Rettung des Jahrhunderts" von historischer Bausubstanz gefeiert hatte - als Fehlinvestition herausgestellt. Schlimmer noch: Der Prinz hatte, um den Kaufpreis aufbringen zu können, Projekte seiner Wohltätigkeitsorganisation mit 20 Millionen Pfund beliehen, eine Summe, die nach dem Wertverfall für Bauland seit der Finanzkrise nun nicht mehr gedeckt ist.
Als der Prince of Wales den Kauf von Dumfries House im Juni 2007 unter Dach und Fach brachte, schien dem chronisch unter mangelnder Wertschätzung der Untertanen leidenden Blaublüter ein guter, ja ein fantastischer Deal gelungen zu sein.
Das schottische Dumfries House, erbaut zwischen 1752 und 1760, gilt als eines der wertvollsten Anwesen Großbritanniens. Entworfen haben es die Meister der georgianischen Architektur, Robert und James Adam, bis zum Dachfirst ist es gefüllt mit kostbarsten Rokoko-Möbeln, die zum Teil von Chippendale persönlich für dieses Haus gedrechselt worden waren. Dieses Schmuckstück britischen Kulturerbes drohte damals auf schmähliche Weise veräußert zu werden.
Ein Entschluss "eher kühn denn klug"
Der Besitzer, der Marquess of Bute, wollte den Besitz loswerden, die kostbaren Antiquitäten, die das Haus seit seiner Fertigstellung im 18. Jahrhundert nie verlassen hatten, warteten bereits verpackt und verladen auf Lieferwagen darauf, beim Londoner Auktionshaus Christie's verscherbelt und in alle Winde verstreut zu werden.
Dann kam die Sache Prinz Charles zu Ohren. Getrieben von einem raschen Entschluss, den der Thronfolger rückblickend als "eher kühn denn klug" beschrieb, machten sich Charles und seine Berater daran, binnen Tagen das Geld aufzutreiben, das nötig war, um Dumfries House vom Marquess zu erwerben und es als Kulturgut für die britische Bevölkerung zu erhalten, ja mehr noch: es der Öffentlichkeit erstmals zugänglich zu machen.
Wie die "Times" schreibt, scheint der Prinz beim Kauf jedoch nicht nur von philantropischen Beweggründen motiviert gewesen zu sein: Er sah in dem zu Dumfries gehörenden Land demnach ein ideales Areal, um dort eine weitere seiner Musterfarmen zu errichten. Der bekannteste dieser prinzlichen Ökobauernhöfe, die Home Farm im Herzogtum Cornwall, erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Pfund, aus dem Charles auch den Lebensunterhalt seiner Familie bestreitet.
Ein Sockelbetrag für die Rettung von Dumfries war im Juni 2007 bereits von einer Initiative zum Erhalt des Anwesens zusammengebracht worden, diese Summe von zwölf Millionen Pfund konnte laut "Times" durch die druckvolle Lobbyarbeit des Prinzen bei Unternehmen und staatlichen Stiftungen schnell fast verdoppelt werden.
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