Um von hier aus in das Bergland Galiläas zu kommen, nimmt man am besten einen Mietwagen. Zwar fahren Busse und Sheruts bis in die entlegensten Winkel des Landes. Aber es lohnt sich, mit dem Auto immer wieder kurze Zwischenstopps einzulegen, um die großartige Aussicht zu genießen. Israels Norden hat zwar wenig Kulturelles zu bieten, dafür aber mehrere Landschaftsschutzgebiete wie den Hulatal-Nationalpark. In dessen Sumpflandschaft kann man Pelikane und Seeadler beobachten.
Safed, die Hauptstadt Galiläas, ist berühmt für ihre Künstlerkolonie: Dort leben und arbeiten Maler und Kunsthandwerker aus unterschiedlichen Religionen zusammen und bieten in den engen Gassen ihre Produkte an. Nazareth, wo Jesus aufwuchs, ist für viele Pilger hingegen eine Enttäuschung. Die Stadt ist laut, hektisch und für die Touristenmassen viel zu eng.
Hotels findet man im strukturschwachen Galiläa nur wenige. Aber von der Stadt Tiberias am See Genezareth aus lässt sich die Region in Tagesausflügen mit dem Auto gut erkunden. Ohnehin ist der See Genezareth ein Höhepunkt jeder Israelreise. Rund um den See spielen viele der Erzählungen aus den Evangelien. Hier hat Jesus mit seinen Jüngern gewohnt, gelehrt und der Bibel zufolge auch zahlreiche Wunder vollbracht - an fast jedes davon erinnert eine Kirche.
Wer von Tiberias Richtung Süden fährt, erreicht nach zwei Stunden Fahrt durch das palästinensische Westjordanland schließlich Jerusalem, die von der Staatengemeinschaft nicht anerkannte Hauptstadt Israels. Keine andere Stadt auf der Erde hat eine so wechselvolle Geschichte und keine ist so sehr von der Religion durchdrungen. Drei Religionen erheben Anspruch auf Jerusalem und leben dort mit-, neben- und oft auch gegeneinander. An der Klagemauer beten die Juden, im Felsendom die Muslime und in der Grabeskirche die Christen.
Der tiefste Punkt der Erde
Der Ruf des Muezzins vermischt sich mit dem Gebet der Juden und dem Klang einer Kirchenglocke. Innerhalb weniger Fußminuten kommt man von Einkaufsstraßen, in denen freizügig gekleidete Israelinnen flanieren, in ultraorthodoxe Viertel, in denen Touristinnen im schulterfreien Top mit faulem Obst beworfen werden.
Reisende müssen sich durch das Gewirr der Altstadt quetschen. Vor allem freitags, wenn Gläubige auf der Via Dolorosa den Weg Jesu vor seiner Kreuzigung ablaufen, ist fast kein Durchkommen mehr. Ruhiger geht es auf dem Ölberg zu, von wo aus man einen grandiosen Blick über die Altstadt und den größten jüdischen Friedhof der Welt hat.
Von Jerusalem aus ist es nicht weit zu den Städten des Westjordanlandes. Die meisten Touristen machen höchstens einen Tagesausflug dorthin, kaum einer bleibt länger im palästinensischen Autonomiegebiet. Meterhohe Sicherheitsmauern umgeben Bethlehem und Ramallah, nur nach Jericho kommt man ohne aufwendige Kontrollen. Viele Individualtouristen schließen sich für einen Ausflug ins Westjordanland einer geführten Gruppe an. Jedes Jerusalemer Hotel hat entsprechende Angebote.
Von Jerusalem aus führt auch eine Straße steil bergab durch die Judäische Wüste bis an das Tote Meer - 420 Meter unter dem Meeresspiegel liegt hier der tiefste Punkt der Erde. Es ist ein unwirtlicher Ort. Im Sommerhalbjahr brennt die Sonne unbarmherzig. Trotzdem lässt sich kaum ein Tourist das Gefühl entgehen, wie schwerelos auf dem Salzwasser zu schweben.
Südlich des Meers beginnt die Wüste Negev, die mehr als die Hälfte der Landesfläche einnimmt. Zerklüftete Schluchten und tiefe Krater prägen die Landschaft. Aber es gibt auch einige grüne Oasen wie den Nationalpark Ein Avdat, in denen man wandern kann. Wer bis in die südlichste Landesspitze weiter fährt, erreicht den Badeort Eilat am Roten Meer. Hier kehrt man zurück zum Anfang der Reise: zu Strand, Meer und leichtem Leben.
Marc Herwig, dpa
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