Von Holger Dambeck
In der Branche kamen die dänischen Radfetischisten anfangs gar nicht so gut an. "Früher haben Journalisten immer gefragt: Wieso habt ihr das Gewicht des Rads nicht angegeben?", erinnert sich Ehgartner. Bei Viva wusste man natürlich längst, dass für Käufer solcher Räder ganz andere Dinge zählen.
Eine Entwicklung, die offenbar ganz ähnlich verläuft wie in der Computerbranche. Anfangs schielten alle nur auf Megabytes und Gigahertz, mittlerweile hat ein Hersteller aus dem kalifornischen Cupertino gezeigt, dass Technik ein herausragendes Design haben muss, um Menschen zu begeistern.
Apples iPhone ist längst zum Statussymbol geworden, und cool designte Fahrräder sind dabei, ihm zu folgen. Vor allem in Großstädten definieren sich junge Menschen immer öfter auch über ein auffälliges Rad, egal ob es nun nagelneu ist oder aus einem 30 Jahre alten Rennradrahmen und neuen Komponenten zusammengeschraubt wurde. "Das Fahrrad hat einen ganz anderen Stellenwert als noch vor zehn, zwanzig Jahren", sagt Werner Foster, Geschäftsführer von Cycle Union aus Oldenburg (unter anderem Fahrradmanufaktur, Kreidler, Rabeneick).
Fahrräder als Statussymbol
Für die Autohersteller könnte die Luft langsam dünn werden - zumindest in den notorisch von Stau geplagten Städten, wo Parkplätze rar sind. Inzwischen versuchen beispielsweise Daimler und Peugeot, mit eigenen Car-Sharing-Angeboten vom Trend zur Demotorisierung wenigstens noch ein bisschen zu profitieren.
Für das Verkehrsmittel Fahrrad könnte sich die Entwicklung zum Statussymbol als Segen erweisen. Radfahren wird plötzlich cool, es ist nicht nur ein Transportmittel oder ökologisches Statement. Je mehr Menschen sich auf einen Drahtesel schwingen, umso angenehmer könnte das Leben in der Stadt werden: weniger Lärm, entspanntes Leben auf der Straße. Kopenhagen und Amsterdam machen es vor.
Es müssten nur noch die Verkehrspolitiker mitziehen und den Trend unterstützen. Zum Beispiel mit einer City-Maut, konsequent bewirtschafteten Parkplätzen und separaten Fahrradstraßen. Denn ganz ohne Diskriminierung der Autos wird es nicht gehen - das zeigt der Status quo in Städten wie Hamburg oder Berlin.
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