Von Holger Dambeck
Hamburg - Es ist etwas faul im Staate Deutschland. Das Auto, der Stolz der heimischen Wirtschaft, ist jungen Menschen immer weniger wichtig. Die emotionale Bindung an das Statussymbol geht bei der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen zurück, ergab jüngst die Studie "Jugend und Automobil 2010" des FHDW Center of Automotive. Eine "neue Rationalität" haben die Experten beobachtet: Für knapp ein Drittel der Befragten ist das Auto ein Fortbewegungsmittel - mehr nicht.
Vor allem Jugendlichen aus der Stadt ist das Blechle längst nicht mehr heilig, ergab auch die Jugendtrendstudie "Timescout". 80 Prozent der 20- bis 29-jährigen Befragten erklärten sogar, dass man in der Stadt wegen des öffentlichen Verkehrs überhaupt kein Auto brauche.
Die Jugend hat sich längst neue Ikonen gesucht. Zu besichtigen sind diese in den Geschäften der Mobilfunkanbieter - und neuerdings auch in Fahrradläden. "Das Fahrrad ist in Deutschland seit Jahrzehnten Alltagsgegenstand. Aber in den vergangenen Jahren ist etwas Neues hinzugekommen: Leute achten darauf, wie es aussieht." Das sagt David Koßmann, Chefredakteur des Hochglanzmagazins "Fahrstil" - so eine Art "11 Freunde" für Fahrradfans.
In den Hallen der Fahrradmesse Eurobike in Friedrichshafen kann man den Trend zu schicken, auffällig designten Bikes besichtigen. Früher zählte vor allem eines - die Technik. Welche Gruppen sind verbaut? Wie viele Gänge? Ist der Rahmen aus Karbon oder Titan? Fahrräder waren Ingenieursache, denn die wussten ja am besten, wie man eine Nabenschaltung noch effizienter macht.
"Urban" und "Retro" sind gefragt
Die hochgezüchteten Rennräder und MTBs gibt es natürlich weiterhin - ebenso die technisch raffinierten Reiseräder. Doch fast alle Hersteller haben inzwischen Modelle im Programm, die unter den Labels "urban" oder "retro" laufen - jene Velos also, die die Sinne ansprechen und nicht das Rationale.
Einzelne Firmen setzen sogar ausschließlich auf Design, etwa Vanmoof aus den Niederlanden oder die dänische Edelschmiede Viva Bikes. Mit einem Prototypen des Modells Duro holte Viva bereits 2009 einen Eurobike Award, nun wird in Friedrichshafen das Serienmodell vorgestellt. Schon das Rahmendesign ist ungewöhnlich und schön zugleich: Es gibt nicht ein Ober- und Unterrohr, sondern je zwei davon (siehe Fotostrecke). Filigraner geht's kaum.
Auch bei den Materialien geht der dänische Hersteller besondere Wege: Die handgearbeiteten Muffen sind aus unbehandeltem Kupfer. Sie altern im Laufe der Zeit und geben dem Rad einen ganz besonderen Look. "So ein Rad erregt in München mittlerweile mehr Aufmerksamkeit als ein Ferrari", verspricht Viva-Sprecher Stefan Ehgartner.
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