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07.09.2010
 

McLaren Chef-Designer

"Dieses Auto ist kein Spielzeug"

Von Christoph Rottwilm

Bilder vom MP4-12C: Formel-1-Technik für die Autobahn
Fotos

Mit dem MP4-12C bringt die britische Formel-1-Schmiede McLaren erstmals einen vollständig eigenen Supersportwagen auf die Straße. Chef-Designer Frank Stephenson über hilfreiche Formel-1-Ingenieure, Menschen, die solche Boliden kaufen, und sehr schnelle amerikanische Segelfische.

mm: Herr Stephenson, wie viel Formel 1 steckt im MP4-12C?

Stephenson: Wie Sie wissen, kommt sehr viel von der neuen Technologie, die die Autoindustrie voranbringt, aus der Formel 1. Unser Vorteil bei McLaren ist, dass unsere Formel-1-Ingenieure unmittelbar bei uns mitarbeiten. Wir nutzen also nicht nur deren Wissen, sondern sie sind tatsächlich im Team dabei. Dazu muss man wissen, dass sich die Arbeit an einem herkömmlichen Auto grundlegend von der Arbeitsweise der Formel-1-Ingenieure unterscheidet.

mm: Wie denn?

Stephenson: Formel-1-Ingenieure sind es gewohnt, Woche für Woche Veränderungen vorzunehmen und das Auto zu verbessern. Denn ein Formel-1-Wagen ist niemals fertig entwickelt. Ein gewöhnlicher Autoingenieur dagegen scheut deutlich stärker die Risiken von Veränderungen und neigt eher dazu, sie zu meiden.

mm: Heißt das, der MP4-12C wird ebenfalls laufend verändert, so dass ein Wagen, der in einem halben Jahr gekauft wird, schon nicht mehr derselbe ist, wie der aktuelle?

Stephenson: Selbstverständlich müssen wir das Auto künftig weiterentwickeln und es wird eine verbesserte Version geben. Aber wir mussten uns natürlich den Gesetzen des Marktes unterwerfen und die Entwicklung daher an einem Punkt beenden, um die Vermarktung zu starten.

mm: Aber sie wollen schneller weiterkommen als die Konkurrenz?

Stephenson: Ja, wir wollen sehr schnell sein. Denn Innovationen sind es letztlich, die den Markt antreiben. Das sieht man gerade am MP4-12C und seinem einteiligen Karbonfaser Chassis. So etwas hat noch kein anderer Hersteller angeboten. Und es geht uns nicht einfach nur darum, der erste zu sein. Denn diese Technologie bringt wirklich Vorteile. Und je mehr wir davon bauen, umso billiger wird es.

mm: Ist das Carbon Monocell die wichtigste Errungenschaft aus der Formel 1, die in diesem Auto steckt?

Stephenson: Ja, absolut. Der MP4-12C ist der erste serienmäßige Straßenwagen, der über ein solches einteiliges Karbonfaser Chassis verfügt. Es ist eine unglaubliche Technologie, die die Sicherheit enorm erhöht. Zudem ist es sehr leicht, was gut für den Verbrauch und die Umweltwerte ist. McLaren war das erste Team, das diese Technik 1981 in der Formel 1 eingesetzt hat. Heute nutzt sie dort jeder. Und wenn die Fahrer einen Unfall bauen, tragen sie häufig nicht vielmehr davon als einen leichten Kopfschmerz. Ich bin mir sehr sicher, dass Sicherheit und Gewicht die beiden entscheidenden Faktoren im Automobilbau der Zukunft sein werden.

mm: Auch beim Gewicht liegen sie an der Marktspitze, der Wagen bringt lediglich 1300 Kilogramm auf die Waage. Was mussten Sie tun, um auf diesen Wert zu kommen?

Stephenson: Ein Beispiel sind die Gravuren an den Metallteilen des Autos. Wir haben alles in das Metall hineingraviert, nicht erhaben, auf der Oberfläche, wie bei vielen anderen Herstellern. So haben wir dabei Gewicht entfernt, anstatt etwas hinzuzufügen. Ein paar Gramm machen nicht viel aus, aber bei den zahlreichen Gravuren kommt schnell ein Kilogramm zusammen.

mm: Stimmt es, dass Sie aus Gewichtsgründen auf einen CD-Player an Bord verzichtet haben?

Stephenson: Das ist richtig, es gibt lediglich eine Harddisk, an die Sie Ihren MP3-Player anschließen können. Ein bisschen Komfort muss eben doch sein. Sie können schließlich aus Gewichtsgründen auch nicht auf die Klimaanlage verzichten, oder auf die Fußmatten.

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Zur Person

Frank Stephenson ist seit 2008 Design Direktor bei McLaren Automotive in Woking, Großbritannien, und verantwortlich für den MP4-12C. Stephenson blickt auf eine illustre Karriere in der Autobranche zurück. Neben dem Geländewagen X5 von BMW und dem neuen Mini stammen aus seiner Feder der Kleinwagen Fiat 500, der Fiat Bravo, die Ferrari-Modelle 430 und 612 sowie der Maserati Quattroporte und der MC12.









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