Von Matthias Kremp
Berlin - Samsungs Galaxy Tab ist der erste heimliche Star der Elektronikmesse Ifa. Über kein anderes Gerät, das in Berlin sein Debüt gibt, wurde vorher so viel geschrieben. Schon Wochen vor der Messe tauchten im Internet Bilder auf, die das Tablet zeigten. Allerdings in einer Variante, die mit dem tatsächlichen Gerät nicht viel zu tun hatten.
Mit einer Bilddiagonale von sieben Zoll fügt sich das Tab genau zwischen Apples iPad (9,7 Zoll) und Dells Streak (5 Zoll). Es liegt gut in der Hand und ist mit 380 Gramm leicht genug, um ohne Armlähmung länger mobil genutzt zu werden. Theoretisch würde es sich dank GPS und Navigationssoftware auch als Mega-Navi eignen. Praktisch dürfte es zum Beispiel in einem Fiat 500 die Sicht merklich einschränken. Ein Firmensprecher schlägt sogar vor, das Tablet in der Jackettasche herumzutragen - das geht, jedoch zerrt es ordentlich am Stoff.
Die gute Größe ist der größte Vorteil des Galaxy Tab im Spitzenfeld der iPad-Herausforderer. Satte 1024 x 600 Pixel (WSVGA) zeigt der Bildschirm. Das passt gut zur Bildschirmgröße und ermöglicht Details in Bildern oder scharf gezeichnete Schrift. An der Bildschirmqualität scheint nichts auszusetzen, auch wenn es ein gewöhnliches LCD-Display ist.
Im Vorhinein war orakelt worden, das Tablet werde mit einem Amoled-Bildschirm bestückt wie Samsungs Smartphones. Darauf wurde einem Sprecher zufolge aus Preisgründen verzichtet. Ähnliche Kriterien scheinen bei der Auswahl der integrierten Fotokamera gegolten zu haben. 3,2 Megapixel Auflösung - das wirkt ein wenig wie Resterampe. Immerhin hat die zum Nutzer ausgerichtete Webcam vergleichsweise gute 1,3 Megapixel.
Unkomplizierte Handhabung
Stolz ist der Hersteller darauf, dass das Innenleben des Galaxy Tab vollständig von Samsung selbst stammt. Sämtliche Chips, der Prozessor, der Speicher wurden in den Fabriken des Unternehmens gefertigt. Deren Zusammenspiel machte im ersten Kurztest einen guten Eindruck. Icons, Bilder und Filme huschten mühelos über den Bildschirm, Wartezeiten und Kunstpausen gibt es nicht, die Bedienung per Finger funktioniert verzögerungsfrei. Einzig im Format h.264 kodierte Web-Videos machten dem Gerät zu schaffen und stotterten vor sich hin.
Bei YouTube trat dieses Problem allerdings nicht auf - das Galaxy Tab kann Web-Seiten anzeigen, die Adobes Flash-Technik verwenden. Eine Fähigkeit, die Apple seinem iPad aus unternehmenspolitischen Gründen verweigert.
Auf dem Galaxy wirkt Googles Betriebssystem Android in der aktuellen Version 2.2, das Flash unterstützt. Entsprechend können sich Nutzer im Android Market mit Apps eindecken. Außerdem gibt es ein Samsung-eigenes Softwareangebot, über das exklusiv entwickelte Tablet-Anwendungen verteilt werden. Unter anderem liefert Samsung eine E-Book-App mit, die als Lesesoftware dient und Zugang zu Kauf- und Kostenlos-Büchern bietet. Zum Start ist ein internationales Angebot mit gut zwei Millionen Titeln geplant, Angebote auf Deutsch sollen folgen.
Auch Musik wird man kaufen können, zum Beispiel in Amazons MP3-Shop. Ob man diese dann über das mitgelieferte Kabel-Headset oder über Bluetooth-Kopfhörer hört, ist eine Frage des Geschmacks. Dass man aber ein Headset braucht, um mit dem Galaxy Tab telefonieren zu können - das ist Fakt. Denn so gut sich das Gerät dank GSM- und UMTS-Netzverbindung als Telefon eignet, so komisch ist es, sich das Teil ans Ohr zu halten. Es sieht erstens merkwürdig aus, zweitens sind Lautsprecher und Mikrofone dafür nicht richtig platziert. Gut daran ist: Beim Telefonieren per Headset kann man weiter den Bildschirm bedienen, Notizen machen oder Informationen aufrufen.
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