Von Ingeborg Wiensowski
Auf einer Art erhöhten, begrünten Insel, umgeben von einer zwischen 1,60 bis zu drei Meter hohen Wand, stehen die Häuser wie Exponate auf einem erhabenen Ausstellungssockel. "Mit der Landschaftsplanung wollen wir eine von außen völlig entrückte Idealwelt schaffen und haben unsere Häuser deshalb weitestgehend nach innen orientiert", sagt Bundschuh. Von außen sieht man scheinbar einfache geometrische Baukörper, "abstrakte Betonskulpturen", erklärt Bundschuh, mit wenigen Fenstern.
Zwischen 600 und 1500 Quadratmetern Wohnfläche haben die Häuser - man baue in China sehr groß, sagt Bundschuh - und sie sind so geplant, dass sie sich zum Innenraum öffnen. Fast alle Räume stehen in Blickbeziehung zueinander, dafür gibt es wenig Ausblicke nach außen. Licht kommt von oben durch Lichtschächte oder vom Innenhof. Dass man in den Himmel blickt, war schon so im klassischen chinesischen Hutong-Haus, das immer von einer Mauer umgeben war und dessen interner Hof oder Garten als Zimmer betrachtet wurde.
Das "Haus des Sammlers I", außen aus schwarzem Ortbeton mit eingelegtem Screen-ähnlichem Muster, innen strahlend weiß, ist so geplant, dass seine Nutzung nach oben immer privater und intimer wird, auch im "Sammlerhaus II" gibt es eine starke Trennung privater und öffentlicher Bereiche. Unten sind die galerieartigen Ausstellungsräume, dann kommen die halbprivaten Gäste-, Ess- und Empfangszimmer und oben der Wohnbereich. Im ersten Obergeschoss ist das Gebäude vollständig verglast, was von außen wie ein horizontaler Schnitt durch den geschlossenen Baukörper wirkt.
Ungewöhnlich für einen europäischen Architekten war das vorgegebene Raumprogramm. Zum Beispiel waren zwei Küchen verlangt, je eine für chinesisches und für westliches Kochen, passend dazu zwei Esszimmer. Auch ein separater Zugang zum Schlaftrakt des Hausherrn war vorgeschrieben.
2011 sollen die Häuser fertig sein. Zu befürchten ist, dass sie so attraktiv sein werden, dass sie vielleicht nicht als Kunst-, aber durchaus als Architektur-Pilgerstätte taugen könnten.
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