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03.09.2010
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Antarktis

Pinguin-Party im ewigen Eis

Antarktis: Zwischen Eisbergen und Pinguinen
Fotos
TMN

2. Teil: Erst der Souvenirladen, dann der "Kodakkanal"

Viele Schiffe, die Expeditionsreisen in die Antarktis anbieten, haben Wissenschaftler als Lektoren an Bord und halten sich an die Regeln der IAATO, des Verbands der Antarktis-Reiseveranstalter. Er hat Verhaltensrichtlinien zum Schutz des Lebensraumes von Walen, Robben, Pinguinen, Seevögeln und anderen Tieren aufgestellt. Danach darf eine Bucht immer nur vier Stunden lang besucht werden. Niemals dürfen mehr als 100 Menschen auf einmal an Land, das Rauchen und Essen ist dabei nicht erlaubt. Und nichts darf zurückgelassen werden. Im ewigen Eis verrottet alles nur sehr langsam - Moose und Flechten brauchen Jahrzehnte, um sich von groben Fußtritten zu erholen.

Dennoch steht man anfangs an Land und überlegt, ob die Antarktis-Tour wirklich so eine gute Idee war. Hat der Pinguin nicht doch gerade ängstlich den Pfad gewechselt? Wie viele Schiffe und damit wie viele Leute waren heute wohl schon in der Bucht? Und wie viel Ruß stößt eigentlich der Dieselmotor des Schiffes aus?

Zurück an Bord werden diese Fragen beim Abendessen diskutiert. Das Ergebnis: Natürlich muss man nicht unbedingt ins ewige Eis. Aber es ist sehr beeindruckend. Und wer einmal dort war, dem wird die Notwendigkeit von Naturschutz oft erst richtig bewusst. Viele Antarktisreisende widmen sich nach einer solchen Reise aktiv dem Umweltschutz.

Spätestens in Port Lockroy verfliegt die Sorge, ob sich die Pinguine gestört fühlen könnten. Sie nisten - freiwillig - bis vor die Stufen der alten britischen Marinestation. Im Zweiten Weltkrieg hatten die Engländer den Unterschlupf zusammen mit einem zweiten auf Deception Island errichtet, um von dort die Schiffsbewegungen des Feindes zu beobachten.

Am Ende der Reise ist jeder Pinguin-Experte

1996 renovierte der britische Antarctic Heritage Trust Port Lockroy. Seither gibt es dort ein Museum, eine Poststelle und einen Souvenirladen. Diese Mischung macht den Hafen zu einem der beliebtesten Stopps in der Antarktis. Für die Gäste gibt es einen Pinguin-Stempel in den Pass - und zurück zum Schiff geht es beladen mit Pinguin-T-Shirts für die gesamte Verwandtschaft.

Ein weiterer Höhepunkt ist eine Fahrt durch den Lemairekanal. Die bis zu 1,6 Kilometer schmale Durchfahrt wurde 1873 erstmals gesichtet und 1898 das erste Mal durchfahren. Bei Sonnenschein spiegeln sich die Hänge der antarktischen Halbinsel und Booth Island in der elf Kilometer langen Passage, in der immer zahllose Eisberge treiben. Das ist natürlich ein beliebtes Fotomotiv - und daher hat der Lemairekanal bei den Expeditionsteams den Spitznamen "Kodakkanal".

Mitunter ist auch ein Stopp bei Antarktis-Forschern angesagt, etwa bei der vor mehr als 50 Jahren errichteten, einst britischen und heute ukrainischen Forschungsstation Vernadsky auf der Insel Galindez. In einem dunklen Holzbau wohnen 13 Personen für jeweils zwölf Monate im Eis - neben Wissenschaftlern auch Techniker, ein Koch und ein Arzt.

Sie zeigen gerne ihre Räume und verkaufen selbst gebrannten Wodka für einen Dollar das Glas. Serviert wird an einer urigen Theke, an der aufgereiht BHs hängen. Jede Besucherin ist aufgefordert, die Anzahl dieser Trophäen zu vergrößern. Berühmt wurde Vernadsky, weil die Forscher hier - zusammen mit ihren Kollegen der Halley Station im Wedellmeer - das riesige Ozonloch über der Antarktis entdeckten. Auch diese Station ist von Pinguinen umgeben, aber auf den Eisschollen ganz in der Nähe liegen auch Dutzende ihrer Erzfeinde: Seeleoparden.

Am Ende einer solchen Reise ist der Tourist Pinguin-Experte. Er weiß, dass Zügelpinguine einen schwarzen Strich rund um den Schnabel haben und Kaiserpinguine eher tief im Süden zu finden sind. Adeliepinguine wirken dunkel und kugelig und ziehen meistens zwei Junge groß, Eselspinguine müssen länger als andere brüten. Er hat gelernt, dass Pinguine keine Landraubtiere fürchten müssen, wohl aber Seeleoparden, Zahnwale, Raubmöwen, Seidenschnäbel und Sturmvögel. Dass sie schwimmen wie Delphine, mit gelegentlichen Hopsern aus dem Wasser. Und dass die meisten eine Leidenschaft für Steine haben. Da trifft es sich doch gut, dass Besucher nichts mitnehmen dürfen aus der Antarktis. Nicht einmal Kiesel.

Hilke Segbers/dpa

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Reise in die Antarktis

Die Antarktis sind die Landmasse und die Meeresgebiete rund um den Südpol. Der noch bis zum Jahr 2041 gültige Antarktis-Vertrag legt fest, dass das unbewohnte Land ausschließlich Forschungszwecken und anderen friedlichen Nutzungen vorbehalten ist.

Von Frankfurt am Main kommt man mit dem Flugzeug nach Buenos Aires. Dann per Inlandsflug nach Ushuaia an der Südspitze Südamerikas. Dort geht es weiter mit einem Kreuzfahrtschiff. Auch von Buenos Aires aus ist die Schiffsanreise möglich - sie dauert dann aber erheblich länger. Argentinien verlangt von Deutschen kein Visum, der Reisepass sollte aber noch mindestens drei Monate gültig sein.

Die beste Reisezeit ist von November bis Februar. In Buenos Aires ist es dann mit bis zu 32 Grad sehr warm und feucht. In der Antarktis liegen die Temperaturen allerdings zwischen minus 10 und plus 5 Grad.

Hotels gibt es in der Antarktis nicht. In der Saison fahren etwa 35 Schiffe zum Südkontinent. Eine Nacht auf einem solchen Schiff kostet ab etwa 400 Euro pro Person in der Doppelkabine. Wichtig fürs Packen: Auf dem Flug von Buenos Aires nach Ushuaia sind maximal 25 Kilogramm Gepäck erlaubt plus 8 Kilogramm Handgepäck.

Empfohlen werden Impfungen gegen Hepatitis A und B, Polio, Tetanus, Typhus und Diphtherie sowie für Südamerika eventuell gegen Gelbfieber. In der Antarktis ist auch Kälteschutz wichtig.

An Bord der Schiffe gilt die jeweilige Landeswährung, an Land sind US-Dollar hilfreich. Nur in Port Lockroy ist das britische Pfund erwünscht, aber dort werden auch Kreditkarten genommen. In Argentinien ist der Peso die Währung. Für einen Euro gibt es derzeit etwa fünf Pesos.









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