Reichenau - Die Reichenau hat die Menschen schon immer angelockt. Das milde Klima, das Wasser, der Wein, die Fischerei - es gab viele gute Gründe, die Bodenseeinsel zu besuchen. Auch dem Wanderbischof Pirmin gefiel die "reiche Au" so gut, dass er hier im Jahr 724 ein Kloster gründete.
Was Pirmin und seine Glaubensbrüder schufen, ist heute ein Besuchermagnet. Die drei uralten Kirchen, der Kräutergarten, die Spuren klösterlichen Lebens haben die Unesco vor zehn Jahren bewogen, die Insel als Welterbe zu adeln. Die Folgen waren gewaltig. "Schon am Tag der Verkündung stand bei uns das Telefon nicht mehr still", erinnert sich Tourismus-Chef Karl Wehrle.
Die Welterbestätte lockt die Menschen, und weil es so viele sind, ist die Kirche St. Georg in diesem Sommer nur für Führungen geöffnet. Einzelne Touristen haben keinen Zutritt, denn die wertvollen Wandmalereien der im 9. Jahrhundert gebauten Kirche leiden unter den Menschenmassen. Vor der Welterbe-Auszeichnung gab es rund 300 Führungen, heute sind es 1200.
Es sind vor allem die klassischen "Sommerfrischler", wie Wehrle sie nennt, die über den künstlich aufgeschütteten Inseldamm auf die größte Insel im Bodensee fahren. Schon die Anfahrt über die lange Pappelallee ist ein Erlebnis. Links und rechts der Straße dümpeln Wasservögel im Schilf, am Horizont sieht man das Schweizer Ufer. Auf der Insel angekommen, grüßt links ein großer Gemüsestand und rechts die Kirche St. Georg.
Kulinarischer Dreiklang: Gemüse, Fisch und Wein
Die Reichenau ist vor allem eine Gemüseinsel. In den vielen Gewächshäusern, aber auch auf offenen Feldern reifen erstklassig Tomaten, Salat und Gurken. Auch Weinreben werden angebaut. Vor allem auf die guten Weißweine sind die Inselbewohner stolz. Sie sind eine Rarität, außerhalb der Insel gibt es Reichenauer Wein praktisch nicht zu kaufen. Der Wein wiederum passt bestens zu den Felchen und Barschen, die die Fischer täglich anlanden. Ein wunderbarer Dreiklang: Gemüse, Fisch, Wein.
Der See sorgt aber nicht nur für den Fisch. Dank der geschützten Lage ist das Wasser hier im Untersee etwas flacher, und so fängt die Badesaison auf der Reichenau früher an und hört später auf. "Bei uns ist das Wasser immer zwei, drei Grad wärmer als am Obersee", freuen sich die Insulaner. Radfahrern und Inlineskatern bietet die Insel wunderbare Wege. Und wenn abends die Sonne als blutroter Ball hinter Hügeln am anderen Ufer versinkt, wird aus der milden für einen Augenblick eine feurig-karibische Schöne.
Frank Heidmann/dpa
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