Genussmanager magazin RSS  - Genuss

Alle Artikel und Hintergründe


18.06.2010
Twitter GooglePlus Facebook

Wiener Schnitzel im Test

Da ist Berlin platt

Von Wolf Thieme

Wiener Schnitzel: Österreichs Spezialität in Deutschlands Hauptstadt
Fotos
F. Bolk

Klopse, Eisbein, Erbsensuppe? Nicht doch! Leibgericht der Berliner ist das Wiener Schnitzel. Unser Autor hat probiert, wo der Sattmacher am besten schmeckt - und sich vom Spitzenkoch Christian Lohse das perfekte Exemplar braten lassen: dünn, goldbraun und buttrig.

Berlin - Nicht reserviert? Und schon am Katzentisch neben der Schwingtür zur Küche platziert. Rituale sterben nie. Ich sitze im "Aigner" am Berliner Gendarmenmarkt, es ist abends kurz nach sechs und das Lokal fast leer. Auch um sieben, als ich gehe. Aber das erneute Eindecken dort, wo ich lieber gesessen hätte, hat man sich erspart.

Es war das erste Wiener Schnitzel von zwölf, die ich in Berliner Restaurants probiert habe. Nicht das Trio Erbsensuppe, Kalbsleber, Eisbein, sondern ein Import aus dem Donauland gehört in der Hauptstadt zu den Leibspeisen von Touris, Alt- und Neuberlinern oder Promis wie Altkanzler Schröder. Ein Sattmacher, das bewirkt die Panierung aus Eiern, Paniermehl, Öl und Butter, die das etwas fade Kalbfleisch saftig halten soll.

Klappt manchmal und manchmal nicht, obwohl die Zubereitung simpel ist. Gegenüber vom "Aigner" residiert Berlins bester Koch Christian Lohse im "Fischers Fritz". Von dem habe ich mir die Zubereitung eines Wiener Schnitzels zeigen lassen. Zwei Millimeter dünn plattiert, paniert, brutzelt es in der Pfanne und wird mit der schäumenden Butter aromatisiert. So begossen, wellt sich die Panierung wie Blätterteig. Ein knuspriges Meisterwerk, die Kruste animierend goldbraun. Das macht die Rohmilchbutter aus der Charente, sagt Lohse.

Im "Aigner" gibt es das Wiener Schnitzel vom deutschen Milchkalbsrücken mit lauwarmem Kartoffelsalat. Ich notiere am Katzentisch: Die Panierung - whomb macht die Schwingtür zur Küche - ist leicht fettig, nicht ganz so knusprig wie bei Lohse und das Fleisch - whomb - eher trocken. Das Schnitzel schlechthin ist es sicher nicht. Whomb.

Das beste Wiener Schnitzel außerhalb Wiens

Im "Lutter & Wegner", ebenfalls am Gendarmenmarkt, wird - laut "New York Times" - "das beste Wiener Schnitzel außerhalb Wiens" gereicht. Es kommt heiß aus der Pfanne, dazu lauwarmer Kartoffelsalat, die Panade ist wellig und glänzt nicht fett, aber das Kalbfleisch, ohne die Panierung gekostet, schmeckt nach nichts. Auf der Rechnung steht ein Kaiserschmarren, den ich nicht gegessen habe. Die "New York Times" ist auch nicht mehr das, was sie mal war.

Ich hätte ein paar Schritte weiter ins "Borchardt" gehen sollen. Das Wiener Schnitzel wird sogar von Christian Lohse empfohlen. Na?, frage ich meinen Magen. Nun gut, ein Gericht passt noch rein: Im "Dressler" Unter den Linden ist der Service extrem liebenswürdig, also nicht aus Berlin, das Schnitzel nicht ganz kross. Die Panierung verteilt sich kuttelfleckenartig auf dem Fleisch, das Fett wurde nicht abgetupft. Der Gurkensalat ist zu kalt, die Bratkartoffeln sind halb gar. Aber das Fleisch ist saftig, wie hat der Koch das gemacht?

Nachts signalisiert der Magen leichte Übelkeit. Meine Frau schält mir einen Apfel. Tags drauf unverdrossen in die hübsche "Brasserie Desbrosses" im "Ritz-Carlton" am Potsdamer Platz. Die aufmerksame Bedienung begrüßt mich mit: "Sie sind der einzige Gast", was nicht zu übersehen ist. Dennoch gute Laune bei den Köchen in der offenen Küche, dröhnendes Gelächter, dann höre ich mein Schnitzel brutzeln. Es wird an Gurkensalat mit Preiselbeeren serviert. Die Panierung wirft keine großen Blasen, aber das Fleisch ist saftig. Nachts keinen Apfel.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Weitere Artikel zu Diesem Thema

"Grillbibel"-Autor Jamie Purviance
Das neue Burgertum
Die besten Restaurants der Welt
El Celler de Can Roca löst Noma ab
Weingläser
Eine Frage des Stiels
Hamburger Kultlokal
Wir gehen zu Kowalkes

© manager magazin online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Gefunden in


Wiener Schnitzel, Rezept von Christian Lohse

Zutaten für 4 Personen: 4 Schnitzel vom Kalbsrücken à 150 g, Salz, 100 g Weizenmehl, schwarzer Pfeffer aus der Mühle, 1 Essl. Olivenöl, 3 Eier, 200 g selbst gemachte Semmelbrösel oder Paniermehl (dafür trockenes Weißbrot ohne Rinde reiben), 200 ml Sonnenblumenöl, 200 g ungesalzene Echiré- Rohmilchbutter (Internetversand), Zitronensaft zum Beträufeln

Zubereitung: Hautränder des Schnitzels parieren, Fleisch 2 mm dünn plattieren, auf Küchenpapier legen, salzen, in Mehl wälzen, abklopfen. Salz, schwarzen Pfeffer, Olivenöl und Eier mischen, Schnitzel darin wenden, abtropfen lassen und in Semmelbröseln wälzen, Brösel abschütteln.

Sonnenblumenöl auf etwa 160 Grad erhitzen und Fleisch bei hoher Temperatur auf einer Seite anbraten, wenden, Butter hinzugeben und schnell schaumig werden lassen. Schnitzel mithilfe einer Kelle immer wieder mit der flüssigen Butter übergießen und ablaufen lassen (Pfanne dabei schräg halten), damit die Panierung aufgeht und knusprig wird. Bei 140-150 Grad in 3-4 Minuten fertig braten, bis die Panierung goldbraun ist und Blasen wirft.
Auf einem Gitter abtropfen lassen, mit Küchenkrepp abtupfen, ruhen lassen, danach im Salamander (oder unter dem Grill) noch einmal kurz erhitzen.

Tipp: Die Butter sollte kalt sein, um die Brattemperatur zu senken. Sie sollte jedenfalls beim Aufschäumen nicht zu heiß werden.








Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarife:
Finden Sie den passenden Tarif