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12.03.2010
 

Kunstmesse

Der Kunstmarkt trotzt der Krise

In Zeiten der Finanzkrise investieren Vermögende in bleibende Werte. Statt Luxusjacht oder Polopferd ist Spitzenkunst gefragt. Auf der internationalen Kunstmesse Tefaf in Maastricht trifft sich ab heute wieder das Who is Who des Weltkunsthandels und bricht mit 30.000 Objekten einen Rekord.

Maastricht - Talleyrands Bett gefällig? Das gut 200 Jahre alte Schlafmöbel für 380.000 Euro, in dem Frankreichs legendärer Spitzendiplomat dazumal durchaus Staatsgeschäfte erledigt hat, gehört eher zu den kulturhistorischen Kuriositäten der diesjährigen internationalen Kunstmesse Tefaf in Maastricht. Ansonsten zeigt sich "The International Fine Art Fair", die seit Langem den Ruf des weltweit wichtigsten Handelsplatzes für Kunst bis zur Klassischen Moderne hat, einmal mehr in Hochform. Die Rekordriege von 263 Händlern bietet von heute bis zum 21. März rund 30.000 Objekte aus vielen Jahrtausenden an, bestreitet erstmals eine Sonderabteilung mit Kunst auf Papier aller Art und glänzt auch wieder mit Spitzendesign.

"Madonna mit Kind und Johannisknaben": Das Bild des italienischen Malers Botticelli, das 50 Jahre zur Rockefeller-Privatsammlung gehörte, wird für 11,1 Millionen Euro angeboten.
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DPA

"Madonna mit Kind und Johannisknaben": Das Bild des italienischen Malers Botticelli, das 50 Jahre zur Rockefeller-Privatsammlung gehörte, wird für 11,1 Millionen Euro angeboten.

Etliche Objekte der Weltkunst von Altägypten über Botticelli bis Munch für durchaus zweistellige Millionen-Euro-Beträge besitzen absolut Museumsreife - wenn die öffentlichen Kassen nicht leer wären. Dafür rechnen die in die niederländische Stadt angereisten Global Player des Weltkunsthandels fest mit der Kauflust der Superreichen: Im Zeichen der Finanzkrise haben sich viele Vermögende von Polopferden und Luxusjachten abgewandt und dem Erwerb gesicherter Werte, sprich: der Spitzenkunst, zugewandt, analysierte eine jüngste Tefaf-Studie. So habe der Weltkunstmarkt im vergangenen Jahr zwar weniger als zuvor umgesetzt, aber mit 31,3 Milliarden Euro auf erstaunlich hohem Niveau der Jahre vor 2006 abgeschlossen. Und dass im Zeichen drohender Staatspleiten und grassierender Inflationsangst die Flucht in die Sachwerte ansteht, das weiß jeder der optimistisch- selbstbewussten Kunsthändler auf der Tefaf.

Neben der Sicherheit lockt aber auch die Schönheit: Ein 7000 Jahre altes, atemraubend modernes Tongefäß aus China soll 11.000 Euro kosten, ein frühimpressionistisches Gemälde "Teich mit weidenden Kühen" (1865) Camille Corots wartet für 150.000 Euro. Eine Madonna mit Kind (um 1493) als gefühlvolles Kleinformat des florentinischen Renaissancemalers Botticelli aus ehemaligem Rockefeller-Besitz trägt das Preisschild 11,1 Millionen Euro. An Altmeisterlichem fallen im Riesenangebot von Maastricht Cranachs lebensvolle Bibelszene "David und Batseba" (5,3 Millionen Euro), ein Apostel-Porträt von Frans Hals oder diverse niederländische Landschaften Jan van Goyens ins Auge.

Stolze 18 Millionen Euro soll das Gauguin-Spätwerk "Zwei Frauen" von 1902 bringen, das trotz glühender Südsee-Farben künstlerisch nicht restlos überzeugt. In der großen Riege der Picassos wären ein "Junge mit schottischer Mütze" (1953) für 6,5 Millionen Euro und das atemraubende Querformat "Mann und Frau nackt" (1956) für 11,1 Millionen zu entdecken.

Nach dem jüngsten Kunstauktionsweltrekord für den Bildhauer Giacometti habe er den Preis für seine kleinformatige Skulptur "Drei schreitende Männer" bewusst nicht höher gesetzt, verrät schmunzelnd ein britischer Galerist und verlangt für das klassische Motiv des Schweizers moderate 18,5 Millionen Euro. Preiswerter sind Giacomettis wunderbare Kuli-Skizzen für 350.000 Euro, die hier und da zwischen allerlei Klee-Gemälden bester Provenienz oder dem absolut raren, sensiblen Warhol-Frühwerk "Zwei Figuren" (1955/780 000 Euro) zu entdecken sind. Von der aktuellen Renaissance der lichtverliebten Zero-Kunst der 60er Jahre könnte der Händler profitieren, der Heinz Macks silberschimmerndes, riesiges Metallrelief "Garten Eden" für 850.000 Euro anbietet.

Dass auch Kunstwerke ihr Schicksal haben, beweist ein liebreizendes Prinzessinnenporträt des "Leipziger" Malers Tischbein (1797), das aus restituiertem ostdeutschen Adelsbesitz zu ungenanntem Preis den Weg nach Maastricht gefunden hat. Und ein altes Messingschildchen am Rahmen dokumentiert, dass Munchs Großformat "Sitzende junge Frau" von 1916 (9,5 Millionen Euro) einst der Städtischen Galerie Frankfurt gehört hat - bis die Nazis 1937 das Kunstwerk als "entartet" entfernt und verkauft haben.

Gerd Korinthenberg, dpa

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