Von Maren Hoffmann
mm: Wie sind sie in diesem Jahr auf dem Genfer Autosalon vorgegangen?
Schmidhuber: Der A1 hat eine große Inszenierung verlangt. Dafür brauchten wir eine größere Bühne mit Rückwand - wie im Theater. Statisch ändert sich die Architektur dadurch nach vorne. Das Grundthema für uns ist die sogenannte Terminal-Architektur, mit der wir das Markenthema Leichtigkeit spielen und die die Gestaltung der neuen innerstädtischen Autohäuser von Audi aufgreift.
mm: Ihr Büro ist auch federführend für die Architektur des deutschen Pavillons für die diesjährige Expo in Shanghai verantwortlich. Ist das eine grundsätzlich andere Aufgabe als ein Messeauftritt für eine Marke?
Schmidhuber: Überhaupt nicht, was unsere Herangehensweise betrifft. In diesem Fall ist die Marke eben die Bundesrepublik Deutschland. Der Gesamtauftritt muss Deutschland darstellen. Wie bei jeder anderen Marke auch mussten wir tief in das Thema hineingehen und uns fragen: Was ist denn Deutschland? Was für Werte haben wir?
mm: Und wie beantworten Sie diese Frage?
Schmidhuber: Das Motto der Expo ist "Better City, better Life". Wir haben uns mit Themen wie Urbanität, nachhaltiger Stadtentwicklung und lebenswerten Räumen in Deutschland beschäftigt . Dabei ergab sich, dass Deutschlands Städte sich durch eine besondere Balance auszeichnen, aus Erneuerung und Bewahren, Innovation und Tradition, aus Urbanität und Natur, Verdichtung und Freiraum, Arbeit und Freizeit. Deshalb heißt der Pavillon "Balancity". Wir haben Baukörper geschaffen, die zu schweben und sich gegenseitig auszubalancieren scheinen.
mm: Gibt es Aufträge, die komplett aus diesem Rahmen des stringenten Markendenkens fallen?
Schmidhuber: Mich beschäftigt gerade ein Auftrag weit abseits der Glamourwelt. Für eine Klinik in München sollen wir die Gestaltung einer Palliativstation übernehmen. Wenn wir uns da zu einem Meeting zusammensetzen, bleiben sämtliche Marketingfloskeln vor der Tür, die Stimmen werden leiser, und es ist eine Art Demut zu spüren. Das tut uns allen sehr gut.
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