Von Maren Hoffmann
mm.de: Wie können Firmen die Krise überwinden?
Wenzel: Viele Unternehmen wissen mittlerweile sehr genau, dass die momentane Situation eine gute Gelegenheit ist, sich auf den nächsten Aufschwung vorzubereiten. Sie wissen, dass wir diese ganz starken Schwankungen in Konjunktur und Konsumentenverhalten häufiger haben werden.
Eike Wenzel, Mitglied der Geschäftsleitung des Zukunftsinstituts, hat sich als erster deutscher Trendforscher intensiv mit der Neo-Ökobewegung Lohas (Lifestyle of health and sustainability) auseinandergesetzt. In seiner neuen Studie "Sinnmärkte" geht er der Frage nach dem Wertewandel in den Konsumwelten nach.
mm.de: Und wer kann daran verdienen?
Wenzel: Der Reisemarkt etwa wird sich in den kommenden Jahren um 20 bis 25 Prozent in Richtung der Sinnmärkte drehen. Das heißt, weg vom Destinationsmanagement - man fliegt nicht mehr irgendwohin, weil man dort noch nicht war, oder weil es irgendwie schick ist. Es geht um die Destination Ich, um Sinnangebote. Selbst Tui bietet mittlerweile Volunteering-Programme an, bei denen Leute im Urlaub etwas Sinnvolles und Gutes tun können.
Ein anderes Beispiel: Der Nike-Plus-Chip, mit dem Läufer ihre Trainingsdaten ins Internet einspeisen, Wettbewerbe organisieren und sich miteinander vernetzen können - mit diesem Produkt ist nikeplus.com binnen eines Jahres zur größten Laufcommunity im Internet geworden. Nike hat die Marke zum Portal gemacht - weg vom Produkt, hin zur Dienstleistung.
mm.de: Einer der Haupttrends der Sinnmärkte, schreiben Sie, sei das Regionale, das nach dem Lebensmittelmarkt nun auch andere Branchen erobern werde.
Wenzel: Es gibt ein starkes Bedürfnis nach regionalen Produkten, die emotional besetzt und nicht industrialisiert und korrumpiert sind, von Leuten erzeugt, denen ich trauen und in die Augen gucken kann.
mm.de: Haben große Unternehmen es nicht schwer auf diesen Märkten? Wer bei Hans-Jürgen, dem Biobauern, kaufen will, will nichts von der Hans-Jürgen GmbH kaufen, oder?
Wenzel: Das ist richtig - aber vielleicht bei Alnatura oder Basic. Es ist eine Herausforderung, dieses Glaubwürdigkeits- und Wertemarketing auf eine Massenbasis zu stellen und seine Marke damit zu pflegen. Bei Alnatura hat es funktioniert, Produkte aus der Region anzubieten und das auch in den Märkten zu kommunizieren. Kleinere Bioanbieter schaffen das auch sehr gut, die beklagen sich nicht über Konjunktureinbrüche.
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