03.03.2009
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Musikexperiment

Lieben Sie Brahms?

Von Lilli Schrauzer

2. Teil: Bitte nicht stören

Der nächste Schauplatz - der Marmorsaal des Schauspielhauses - mutet an wie eine Unicafeteria. Tische, an denen hier und da eine Gruppe Menschen sitzt. Hell. Laukalt. Hinter rotgoldenen Absperrbändern eine Sehenswürdigkeit: Ein schon etwas ernsterer Peter Hubert in den letzten Minuten vor dem ersten Ton des Konzertexperiments. Der Kontrabassist ist sehr konzentriert.

Cello am Millerntor: Die Generalmusikdirektorin der Hamburger Oper, Simone Young, dirigierte Johannes Brahms Zweite Sinfonie. 100 Musiker an insgesamt 50 Orten wurden per Monitor mit der Dirigentin im Michel verbunden.
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DPA

Cello am Millerntor: Die Generalmusikdirektorin der Hamburger Oper, Simone Young, dirigierte Johannes Brahms Zweite Sinfonie. 100 Musiker an insgesamt 50 Orten wurden per Monitor mit der Dirigentin im Michel verbunden.

Der Fernsehsender Hamburg 1, der das Konzert überträgt, kündigt an, dass gleich der Kammerton A eingespielt werde. Huber geht in Position. Eigentlich sollte es jetzt ganz still sein. Gespannte Blicke sollten sich auf den Künstler richten. Stattdessen reges Kommen und Gehen. Der Saal füllt sich stetig. Outdoorjacken rascheln und Stuhlbeine kratzen über den Steinboden.Positionsgefechte um die verbliebenen Sitzplätze. Es entsteht so gar nicht der Eindruck, dass hier gleich etwas Großartiges passieren soll.

Der erste Ton verursacht trotz der wenig feierlichen Atmosphäre eine Gänsehaut. Die Ungeduld der Besucher schlägt um in leichte Aggression. Schließlich ist der Besuch hier kostenlos. Jeder hat soviel Recht wie der andere, zu drängeln, zu schubsen und auch den Saal lautstark wieder zu verlassen.

Noch erstaunlicher geht es an der nächsten Station des Konzertspaziergangs, auf der Empore der Wandelhalle, zu: Christian Seibold an der Klarinette und Katharina von Held am Kontrabass spielen gegen den Unwillen der Passanten an. "Eine Sauerei, so einfach den Weg zu versperren," schimpft ein Reisender mit Rollkoffer im Schlepptau laut. "So ein Krach. Was das nur soll," schimpft ein Vater mit Kinderwagen, der versucht, sein weinendes Kind vor dem kulturellen Ereignis in Sicherheit zu bringen.

Mir kommt eine Liedzeile in den Sinn, die ebenfalls von Hamburger Musikern stammt: "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint." Darunter würde ich das gestrige Erlebnis verbuchen. Für kulturelle Experimente dieser Größenordnung scheinen viele Hamburger noch nicht bereit.

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