03.03.2009
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Musikexperiment

Lieben Sie Brahms?

Von Lilli Schrauzer

Generalmusikdirektorin Simone Young stellte sich gestern Abend in Hamburg einer großen technischen Herausforderung. Sie dirigierte das flächenmäßig größte Konzert der Welt, ohne ihre Musiker sehen zu können. Besucher hatten 50 Orte zur Auswahl, um live dabei zu sein.

Hamburg - Im Foyer des Hotel Atlantic an der Außenalster stimmt sich der Kontrabassist Tobias Grove auf das kommende Konzert ein. Hinter ihm im Kamin brennt ein Feuer. Ein Hotelpage in Livree legt regelmäßig Scheite nach.

Um 18.30 Uhr soll das größte Konzert der Welt beginnen. An bekannten Orten wie dem Hotel Atlantic, dem Rathaus oder dem Heiligengeistfeld verteilt sitzen die Philharmoniker wie im richtigen Konzertsaal. Sie bereiten sich darauf vor, die zweite Sinfonie des Hamburger Komponisten Johannes Brahms zu spielen. Ihre Dirigentin steht auf einem Wahrzeichen Hamburgs, der Michaeliskirche. Von dort aus wird Simone Young dank moderner Technik ihr Orchester dirigieren.

Das Konzert ist kostenlos und Zuhörer können zwischen 50 Orten wählen, um sich die Musiker anzusehen. Auch ein Spaziergang entlang der verschiedenen Schauplätze ist möglich.

Bereits gegen 18.00 Uhr haben sich im Atlantic einige Zuhörer eingefunden. Sie beobachten die Vorbereitungen. In eleganten Ledersesseln sitzen zwei ältere Damen vor einem Eisbecher. Sie flüstern aufgeregt. Ein Kamerateam lässt den Kontrabassisten immer wieder die gleichen Takte spielen. In 15 Minuten wird Simone Young zu dirigieren beginnen.

Tobias Grove wiederholt nun nur für sich und seine Assistentin einen Satz. "Ich will noch eine rauchen". Er selbst ist gar nicht aufgeregt: "Ich habe keine Angst," sagt er. "Angst lähmt, statt zu beflügeln und mit Angst im Bauch kann ich nicht spielen. Es wird schon alles gut gehen. Ich habe es hier drinnen ja schön warm und trocken."

Eine angenehme Atmosphäre. Die Kekse zum Espresso werden in einer Silberschale serviert. Es ist gut geheizt, während daußen der typische waagerechte Hamburger Nieselregen fällt. Mittlerweile haben sich noch mehr Gäste eingefunden. Sie nehmen in den ausladenden Sitzgruppen Platz, bestellen Getränke und warten. Niemand spricht laut. Wie in einem richtigen Konzertsaal. Theaterkonfekt kann man sich bringen lassen. Von den Händen des Servicepersonals bereits geräuschlos ausgewickelt.

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