Montag, 23. April 2018

WPP in der Krise Werbegigant Martin Sorrell tritt nach internen Ermittlungen zurück

Martin Sorrell: Der Gründer und Chef der weltgrößten Werbeagentur wirft das Handtuch

Bei seinen Konkurrenten galt er als verhasst, litten sie doch unter seinem enormen Expansionsdrang. Martin Sorrell, der WPP gründete und zur weltgrößten Werbeholding ausbaute, tritt nach internen Ermittlungen zurück. Sorrell, der auch WPP-Großaktionär ist, soll Firmenvermögen veruntreut haben.

Martin Sorrell, Chef der weltweit größten Werbeholding WPP, tritt nach internen Ermittlungen zurück. Der Konzern streute die Mitteilung in der Nacht zum Sonntag, nannte aber keine Details. Kaum zwei Wochen nachdem das "Wall Street Journal" (kostenpflichtig) über die Ermittlungen wegen "persönlichen Fehlverhaltens" berichtet hatte, endet damit abrupt eine einzigartige Karriere in der Werbeindustrie.

Sorell selbst erklärte laut Mitteilung: "Natürlich bin ich traurig, WPP nach 33 Jahren zu verlassen. [...…] Ich glaube jedoch, dass es im besten Interesse des Unternehmens liegt, wenn ich jetzt zurücktrete."

Der knallharte Manager hatte WPP vor 33 Jahren gegründet und durch zahlreiche Übernahmen zu einem wahren Giganten in der Branche ausgebaut: Der britische Konzern beschäftigte im vergangenen Jahr in 112 Ländern rund 200.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete rund 17 Milliarden Euro Umsatz. Die verwalteten Werbeetats beliefen sich laut WPP 2016 noch auf mehr als 64 Milliarden Euro.

Zu WPPs größten Kunden weltweit zählen unter anderem Marken wie Ford, Procter & Gamble und Unilever, die über traditionelle Werbeagentur-Netzwerke wie Ogilvy, J Walter Thompson und Grey betreut werden. WPP bietet seinen Kunden nicht nur Werbung, sondern auch Dienstleistungen wie Marktforschung, Datenanalyse und Öffentlichkeitsarbeit an.

Laut WSJ gingen die internen Ermittler dem Vorwurf "missbräuchlicher Verwendung von Unternehmensvermögen" sowie "unangemessenen Verhaltens" nach. Sorell hatte die Vorwürfe zurückgewiesen, aber den Ermittlungen zugestimmt. Ob und in welchen Ausmaß die Vorwürfe sich bestätigt haben, ließ die Mitteilung von Samstagnacht offen. WPP wiederholte lediglich, der Vorwurf des Missbrauchs habe keinen für das Unternehmen relevanten Umfang.

Lesen Sie hier das Porträt zu Martin Sorell und WPP

Das Verhältnis zwischen Sorell und den Anteilseignern galt schon lange als angespannt. Ein Streitpunkt waren immer wieder die exorbitanten Boni, die Sorrells Jahresgehalt zum Beispiel 2015 auf insgesamt rund 90 Millionen Euro hochtrieben. Sorell soll so in 2015 und den zwei Jahren zuvor insgesamt rund 190 Millionen Euro eingestrichen haben.

Der zuletzt verhaltene Geschäftsausblick und der schwache Aktienkurs dürften das Verhältnis zwischen Anteilseignern und Sorrell nicht gerade verbessert haben: Die Aktie von WPP Börsen-Chart zeigen hat auf Jahressicht rund ein Drittel ihres Wertes verloren.

Finanziell am Hungertuch nagen wird Sorrell nach seinem überraschenden Rücktritt nicht: Durch seine besondere Vertragsausgestaltung wird der Manager so behandelt, als ob er in den Ruhestand gewechselt wäre.

Mark Read, Chef der Konzernagentur Wunderman und von WPP Digital, sowie Andrew Scott, WPP Corporate Development Director und Europa-Chef, werden den WPP-Konzern kommissarisch gemeinsam leiten. Sorrell sieht nach eigenen Aussagen sein Lebenswerk in den Händen der beiden Manger offenbar gut aufgehoben.

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