Samstag, 26. Mai 2018

Wölbern-Prozess in der Schlussphase Schultes Anwälte fordern Freispruch - und beklagen unfairen Prozess

Gemeinsam zum Schlussvortrag: Heinrich Maria Schulte (M.) mit seinen Verteidigern Römmig (r.) und Hauswaldt

Es ist etwa 15 Uhr am Montagnachmittag, als Professor Schulte das Wort ergreift. Es ist das letzte Wort in diesem Prozess, der sich bereits seit knapp einem Jahr und beinahe 50 Verhandlungstagen hinzieht. Alle Zeugen sind befragt, alle Anträge beschieden, die Plädoyers gehalten. Es fehlt nur noch das Urteil.

Schulte, erneut im dunkelgrauen Anzug mit blauem Hemd und orangener Krawatte, spricht mit leicht belegter Stimme, offenbar erkältungsbedingt. Er wendet sich zunächst direkt an den Staatsanwalt. "Wenn ich in den Spiegel schaue", so Schulte, "erkenne ich nicht den Menschen, den Sie gezeichnet haben."

Staatsanwalt Heyner Heyen hatte sein Plädoyer am vorherigen Verhandlungstag vorgetragen. Darin hatte er dem angeklagten Medizinprofessor Heinrich Maria Schulte gewerbsmäßige Untreue in mehr als 300 Fällen vorgeworfen und ihm direkten Vorsatz unterstellt. Insgesamt 147 Millionen Euro soll Schulte als Chef des Fondshauses Wölbern Invest von 2011 bis 2013 unrechtmäßig aus geschlossenen Fonds des Unternehmens zweckentfremdet haben. Der Ankläger hat dafür eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren beantragt.

Schulte weist diese Beschuldigungen am heutigen Montag einmal mehr zurück. Insbesondere den Vorwurf des Vorsatzes zu strafbaren Handlungen will er nicht gelten lassen.

Schulte fühlt sich unfair behandelt

Stattdessen bleibt der Angeklagte bei der Darstellung, die er schon während des gesamten Prozesses gegeben hat: Er habe sich stets auf das Wort seiner juristischen Berater vor allem von der Kanzlei Bird & Bird verlassen und sei sich keiner Schuld bewusst. Wie zu Beginn des Prozesses im Mai vergangenen Jahres beteuert er mit Blick auf mögliche Verluste auf Seiten der Fondsanleger: "Ich stehe zu meiner Verantwortung und werde alles tun, um meiner Verpflichtung gerecht zu werden."

Am Ende wendet Schulte das Wort an die Richter. Es bleibe ihm nur noch, um eine faire Beurteilung zu bitten, sagt er. Doch besonders optimistisch klingt er dabei nicht. Wer auf Stimme und Tonfall achtet, weiß vielmehr: Ein aus seiner Sicht faires Urteil, das ist wohl so ziemlich das letzte, auf das sich Professor Schulte zum Abschluss dieses Prozesses nun gefasst machen wird.

Die Gründe für den Pessimismus hatten Schultes Verteidiger zuvor in ihren Plädoyers ausführlich dargestellt. Auch die Anwälte wiederholten dabei im wesentlichen, was sie bereits im Laufe des Verfahrens immer wieder bemängelt hatten.

Zusammengefasst lautet der Vorwurf: Das Verfahren gegen Professor Schulte sei von Beginn an nicht fair verlaufen. Die Massen an Daten und Unterlagen, die zu dem Prozess gehörten, hätten von keinem der Beteiligten ausreichend gesichtet und ausgewertet werden können.

Vielmehr habe sich die Staatsanwaltschaft sowie das Gericht bereits sehr früh eine Meinung gebildet und diese dann nur noch zu bestätigen gesucht. Es sei nicht einmal der Versuch unternommen worden, im Laufe des Verfahrens auch Entlastendes zu Tage zu fördern.

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