Montag, 20. November 2017

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Achten Sie auf: Wilhelm Berghorn Mathematik ist besser als der Dax

Wilhelm Berghorn: Geschäftsberichte? Egal. Langfriststrategie? So what. Das Einzige, was den Mathematiker und Fondsmanager interessiert, sind die geometrischen Strukturen des Dax-Kursverlaufs

Der Mathematiker und Fondsmanager Wilhelm Berghorn analysiert Kursverläufe anhand ihrer geometrischen Struktur - und schlägt mit seiner komplexen Strategie den Dax.

Geschäftsberichte liest Wilhelm Berghorn nicht. Die Wachstumsstory eines Unternehmens ist ihm ebenso egal wie die Langfriststrategie des Vorstands. Er befasst sich lieber mit "fraktalen Dimensionen" und "Skalenvarianzen" - und hat daraus eine Anlagestrategie entwickelt, die den Dax um Längen schlägt.

Der 45-Jährige Fondsmanager ist promovierter Mathematiker, in den 90er Jahren optimierte er das Komprimieren digitaler Bilder und entwickelte später für das Bremer Softwareunternehmen Mevis bildbasierte Software für die medizinische Diagnostik. Abends und am Wochenende widmete er sich jedoch ganz anderen Untersuchungen: Im Auf und Ab der Kurse an den Finanzmärkten suchte er nach Mustern, nach Strukturen, die Hinweise auf die zukünftige Performance liefern könnten.

Vor zwei Jahren schaffte er es. "Ich konnte zeigen, dass Aktienpreise fraktale Trendstrukturen haben, die einen Momentum-Effekt auslösen", sagt Berghorn. Vereinfacht gesagt: Er hatte in Aktienkursverläufen geometrische Muster gefunden, die erkennen ließen, welche Titel einem langfristig ausgeprägten Aufwärtstrend folgen würden. Der Mathefreak programmierte daraufhin eine hochkomplexe Software, die solche Werte erkennt herausfiltert und übergewichtet. Eine auf diesen Aktien basierende Anlagestrategie, so Berghorns Kalkül, müsste sich Geld verdienen lassen. Er sollte Recht behalten.

"Aktienpreise haben fraktale Trendstrukturen"

Berghorn kündigte seinen bisherigen Job, machte sein Hobby zum Beruf und legte im Juli 2015 den "Mandelbrot Market Neutral Germany" auf, benannt nach Benoit Mandelbrot, dem berühmten US-Chaosforscher, der als Vater der fraktalen Geometrie gilt. Seit Auflage hat der Fonds den Markt klar geschlagen und eine Rendite von 6 Prozent erzielt. Der Dax verlor im selben Zeitraum rund 10 Prozent (Stand: 20.9.2016).

Zwar ist Berghorn nicht der erste, der auf den sogenannten Momentum-Effekt setzt. Auch große Fondsgesellschaften wie Blackrock haben zahlreiche Indexfonds (ETFs) am Markt, die in Aktien mit lang anhaltenden Aufwärtstrends investieren. Doch diese Produkte folgen einer vergleichsweise simplen Mechanik: Die Aktien, die sich in den vergangenen zwölf Monaten am besten entwickelt haben, werden übergewichtet - in der Hoffnung, dass der Aufwärtstrend anhält. Berghorn will besser und genauer sein als die großen Fondsgesellschaften. Er gewichtet die Aktien nicht nach ihrer Jahresperformance, sondern er wählt diejenigen aus, deren geometrisches Muster das höchste Plus verspricht.

Seine Software soll Trends sichtbar machen, die andere Markteilnehmer gar nicht sehen. "Die Struktur dieser Trends kommt so in der klassischen ökonomischen Lehre nicht vor", sagt Berghorn. Bisher verwaltet der Fonds die überschaubare Summe von 33 Millionen Euro. Vermutlich schreckt die komplizierte Mathematik so manchen Investor ab. Auf Fondsmessen hat es Berghorn schwer, sein Produkt zu vermarkten - auch weil er nicht gerade der geborene Verkäufer ist. "Die Mechanik meines Modells lässt sich nicht mal eben so in 15 Minuten mit ein paar Powerpoint-Folien erklären", sagt er. Um Investoren zu gewinnen, bleibt Berghorn nur eines: Er muss üppige Renditen liefern. Am Tag des Brexit-Votums, als viele Investoren Milliarden verloren, gelang ihm das besonders gut. Während der Dax fast sieben Prozent verlor, legte sein Fonds um mehr als zwei Prozent zu.

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