Donnerstag, 26. April 2018

US-Magazin schmeißt Handelsminister von Reichstenliste US-Minister Ross soll "Forbes" jahrelang getäuscht haben

"Eine Reihe von Flunkereien, Übertreibungen, Auslassungen, Fälschungen" - "Forbes" über Wilbur Ross

Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" erhebt schwere Vorwürfe gegen US-Handelsminister Wilbur Ross - unabhängig von der Paradise-Papers-Aufregung der vergangenen Tage. Weil er die Reichtumsexperten jahrelang systematisch belogen habe, streichen sie ihn von der Liste der 400 reichsten Amerikaner. Der heutige Politiker habe sein eigenes Vermögen größer erscheinen lassen wollen, um attraktiver für potenzielle Investoren seiner Fonds zu wirken, zitiert "Forbes" einstige Wegbegleiter.

Im vergangenen Jahr hatte "Forbes" Ross' Vermögen noch auf 2,9 Milliarden Dollar geschätzt. Nach der Durchsicht von Dokumenten, die er vor seiner Ernennung zum Minister eingereicht habe, gehe man nun davon aus, dass der 79-Jährige weniger als 700 Millionen Dollar schwer sei, rechnet das Magazin vor. Ross verweise zwar auf zwei Milliarden Dollar, die in Treuhandfonds seiner Familie lägen und deshalb nicht in den offiziellen Dokumenten auftauchen müssten; eine einmonatige Recherche habe allerdings gezeigt: "Dieses Geld hat nie existiert."

Mit einer "Reihe von Flunkereien, Übertreibungen, Auslassungen, Fälschungen" habe Ross seit 2004 dafür gesorgt, dass er im "Forbes"-Ranking der reichsten Amerikaner durchweg besser dastand, als der Realität entsprochen habe. Diese Worte klingen zunächst nach verletzter Eitelkeit - die Reichtumsexperten sind aber auch selbstkritisch: Den Anfang habe ein Fehler von "Forbes" selbst gemacht.

"So egoistisch wie nur irgend möglich"

Ross hatte im Jahr 2002 in den damals zahlungsunfähigen Stahlhersteller LTV investiert und diesen im Jahr darauf als International Steel Group an die Börse geführt. Ross selbst habe mit den Deals insgesamt geschätzte 260 Millionen Dollar verdient. "Forbes" habe ihn im Jahr 2004 allerdings mit einem Vermögen von einer Milliarde in die Reichstenliste aufgenommen. Ein Reporter habe damals mit Ross gesprochen, schreibt das Magazin nun, und ihn darüber unterrichtet. "Und er sagte: Yep, fein, danke."

In den folgenden Jahren habe er sein Vermögen wieder und wieder größer erscheinen lassen: Mal seien Investorengelder als eigene Gelder ausgegeben worden, mal habe er falsche Angaben in einer an "Forbes" gemailten Übersicht über seine Assets gemacht. "Jeder, den ich kannte und der mit Wilbur zusammenarbeitete, wusste, dass das nicht stimmt", zitiert das Magazin nun einen ehemaligen Kollegen. "Forbes" sei allerdings weiterhin darauf hereingefallen.

Ross habe doppelt vom Milliardärsstatus profitiert: Seine dritte Frau (Hochzeit 2004) habe ihren Ehemann gern auf der Forbes-400-Liste sehen wollen; zudem habe er geholfen, Kapital für seine Fonds einzuwerben. "Für uns war es eine Wette auf ihn", zititert "Forbes" Sam Green, der für einen Pensionsfonds des Staates Oregon 300 Millionen Dollar in einen Ross-Fonds investiert habe; "ich kenne keinen besseren Indikator für zukünftigen Erfolg als Erfolg aus der Vergangenheit."

David Wax, einst Nummer 3 in Ross' Investmentfirma, geht sogar noch weiter: "Wilbur hat kein Problem damit, die Wahrheit zu beugen", sagte er "Forbes"; und weiter: "Wir reden hier über jemanden, der so egoistisch wie nur irgend möglich ist."

Erst die Ernennung zum Minister habe das Kartenhaus einstürzen lassen, weil Ross den Kongress über sein Vermögen unterrichten habe müssen; entsprechend habe er dem Magazin erzählt, zwei Milliarden Dollar seien an die Familie überwiesen worden.

Ross' eigenes Ministerium habe dies anschließend dementiert.

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