Donnerstag, 14. Dezember 2017

Arroganz, alles ein Irrtum, dünnwandiger Charakter Warum Vorstände zu Verbrechern werden

Bernard Madoff: Im Griff der Justiz
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Bernard Madoff: Im Griff der Justiz

Er schrieb Briefe an die wohl berühmtesten Häftlinge und Ex-Häftlinge, die einst die Vorstandsetagen durchmaßen - an Bernard Madoff, an Robert Allen Stanford oder an Dennis Kozlowski. Und viele antworteten Eugene Soltes. Sei es aus Langeweile, sei es aus Neugier, weil ihnen ein Professor aus Harvard schrieb. Soltes hatte damit am Ende ausreichend Material beisammen, um ein ganzes Buch über die Frage des "Warum" zu füllen.

Buchtipp

Eugene Soltes Why They Do It: Inside the Mind of the White-Collar Criminal


PublicAffairs, 464 Seiten, Oktober 2016, 25,95 Euro

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Warum sie es tun, "Why they do it", so der Originaltitel seines Werks über Kriminalität in Vorstandsetagen, über das "Bloomberg" und "Fortune" anlässlich der Veröffentlichung berichten. Oder anders - wo die Wurzeln der Kriminalität mit weißem Kragen liegen, im Gegensatz zu der mit blauem Kragen, der Körperverletzung oder dem profanen Diebstahl. Eine vereinfachte Typologie.

Spieltrieb als Motiv

"Das ist wie eine Komödie der Fehler", schilderte Bernard Madoff. "Um Verluste abzudecken, beschloss ich, Geld von Hedgefonds zu nehmen. Dazu musste ich mich auf eine langfristige Strategie einlassen, der zufolge ich das Geld nicht abziehen konnte. Ich sammelte also immer mehr Geld ein - immer im Glauben, sobald die Märkte anziehen, könnte ich alles reparieren."

Nun hat Madoff viel Zeit, darüber nachzudenken, schreibt "Bloomberg". Er sitzt eine 150-Jahre-Gefängnisstrafe ab. Madoff hatte ein Schneeballsystem entwickelt. Neues Geld wurde also vor allem an alte Kunden ausgeschüttet. 2009 folgte dann das Urteil. Die Liste der Geschädigten? Ist angeblich 162 Seiten lang.

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