Freitag, 30. September 2016

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Kurssturz bei Valeant Der Valeant-Chef geht - die Börse jubelt

Muss gehen, bleibt allerdings, bis ein Nachfolger gefunden ist: Michael Pearson, bald Ex-CEO von Valeant

Der schwer angeschlagene Pharma-Hersteller Valeant, noch vor wenigen Monaten absoluter Investoren-Liebling, sucht einen neuen Chef: Michael Pearson werde das Unternehmen verlassen, allerdings noch so lange bleiben, bis ein Nachfolger feststehe, teilte Valeant am Montag mit. Ob Pearson rausgeschmissen werde oder aber freiwillig gehe, spezifizierte Valeant nicht. Die Börse bejubelte den bevorstehenden Wechsel: Nach der Ankündigung schossen die Papiere Börsen-Chart zeigen gut 12 Prozent ins Plus.

Die zunächst zweistelligen Gewinne sind allerdings rein kosmetischer Natur: Seit August 2015 hat Valeant immer noch mehr als 80 Prozent an Börsenwert verloren. Erst am Mittwoch vergangener Woche mussten Pearson und seine Vorstandskollegen einen Kurssturz von über 50 Prozent hinnehmen, nachdem sie einen enttäuschenden Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr präsentiert hatten.

Damals hatte Valeant-Investor Bill Ackman, der das Unternehmen noch im Mai als "neues Berkshire-Hathaway" gepriesen hatte, eine "proaktivere Rolle" bei der Firmenführung angekündigt. Nun kann er dieses Versprechen in die Tat umsetzen: Ackman sitzt künftig im Valeant-Bord.

Valeants Absturz

Die Misere des Pharma-Herstellers begann im Herbst 2015: Das Analyseunternehmen Citron Research, mit dessen Berichten Hedgefonds Aktien immer wieder sturmreif schießen, rückte Valeant damals in die Nähe von Enron, der Skandalfirma der 2000er Jahre, deren Geschäftsmodell sich als Betrug entpuppte und komplett implodierte. Der Bericht kostete an der Börse gut 30 Prozent Marktkapitalisierung.

Schon vor dem Citron-Bericht hatte Pearson sich allerdings von der bisherigen Unternehmensstrategie - Wachstum durch ständig neue Übernahmen und Preiserhöhungen für so erworbene Medikamente - verabschiedet und Forschung und Entwicklung zum neuen Fokus des Unternehmens erklärt. Sein Nachfolger wird wohl einen ähnlichen Kurs einschlagen müssen - Valeant trägt aus Einkaufszeiten noch 1,7 Milliarden Dollar Schulden mit sich herum; Pearson hat bereits angekündigt, zu ihrer Tilgung Unternehmensanteile zu verkaufen.

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