Montag, 23. Oktober 2017

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Strategiechef wird neue Nummer Zwei Gefeuerter Uber-Vize sieht sich als Bauernopfer

Uber-Chef Travis Kalanick ist umstritten. Sein Vize, Emil Michael, soll für die von Mitarbeitern als aggressiv und sexistisch empfundene Unternehmenskultur mit verantwortlich sein. Michael stellt sich nun als Bauernofper dar, der seinen Platz für den Chef räumen musste

Uber bekommt einen neuen starken Mann: David Richter soll den entlassenen Kalanick-Vertrauten Emil Michael ersetzen. Der wirft dem Verwaltungsrat Schwäche vor. Dieser hätte sich nicht getraut, gegen den Uber-Chef direkt vorzugehen und daher ihn geopfert.

Und der nächste Abgang bei Uber: Die Nummer zwei des Unternehmens, Emil Michael, hat die Firma verlassen. Sein Nachfolger wird der bisher für strategische Initiativen verantwortliche David Richter.

Der als zurückhaltend beschriebene Richter genieße hohes Ansehen bei den Angestellten des Fahrdienstleisters und soll das Gegenteil des polarisierenden Michael sein, berichtet der Branchendienst "Recode". Richter denke erst nach, bevor er etwas sage, heißt es. Ihm komme oft die Rolle des Erwachsenen im Raum zu.

Richter, der seit 2014 bei Uber beschäftigt ist, habe unter anderem Partnerschaftsprogramme, beispielsweise mit American Airlines und Capital One, betreut, berichtet "Recode" weiter. Zuvor hatte Richter bei der Technik- und Werbefirma Say die Strategieabteilung geleitet.

Zu Unternehmensgründer Travis Kalanick habe der studierte Rechtsanwalt mit Yale-Abschluss eine freundschaftliche Beziehung. Der geschasste Michael lobte Richter in einer E-Mail an die Belegschaft: Er habe volles Vertrauen, dass Richter die Fähigkeit habe, das Unternehmen vorwärts zu bringen, schrieb er. Er halte Richter für eine extrem talentierte Führungskraft.

Michael macht offenbar Verwaltungsrat für sein Aus verantwortlich

Uber hat das Taxigewerbe in vielen Ländern verändert. Das Unternehmen wird trotz anhaltender Verluste mit fast 70 Milliarden Dollar bewertet, hat mehr als 12.000 Mitarbeiter und kooperiert mit mehr als 1,5 Millionen Fahrern. Uber ist aber in vielen Ländern in Rechtsstreitigkeiten verwickelt.

Michael galt als enger Vertrauter Kalanicks. Details zu den Gründen seines Abgangs wurden nicht bekannt. Dem kaufmännischen Direktor wird zur Last gelegt, für die von vielen Mitarbeitern als aggressiv und sexistisch empfundene Unternehmenskultur mitverantwortlich zu sein.

Michael macht offenbar seine enge Beziehung zu Kalanick für seine Abberufung verantwortlich. Das berichtet "Bloomberg" unter Berufung auf zwei Vertraute des Managers. Demnach werfe er dem Verwaltungsrat Schwäche vor. Sie hätten sich nicht getraut, gegen Kalanick direkt vorzugehen und daher Michael geopfert, heißt es in dem Bericht.

Vor allem der Investor Bill Gurley habe nicht das Rückgrat besessen, sich hinter ihn zu stellen, werfe Michael diesem vor. Gurley stelle seinen Ruf über die Interessen des Unternehmens, hieß es demnach.

Doch die Vorwürfe gegen Michael wiegen schwer. Er soll bereits 2014 in einem vermeintlich vertraulichen Gespräch darüber fantasiert haben, wie man das Privatleben einer kritischen Journalistin ausforschen könnte. Außerdem wirft ihm die frühere Freundin Kalanicks vor, er habe sie daran hindern wollen, über einen Firmenausflug in eine Escort-Bar zu berichten. Michael soll zudem die Vergewaltigung einer indischen Uber-Passagierin mit einem lokalen Konkurrenten in Verbindung gebracht haben.

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