Dienstag, 23. Januar 2018

Neue Aufsichtsratschefin Heather Sonn Diese Frau soll hinter den Steinhoff-Patriarchen aufräumen

Heather Sonn
Steinhoff International
Heather Sonn

Ein Stern aus Südafrika soll Steinhoff retten - und das gleich zweifach. "Star" heißt die an der Johannesburger Börse notierte Afrika-Tochter des von seinem Bilanzskandal erschütterten Möbelriesen. Am Freitag kündigte Star die Rückzahlung eines 1,2-Milliarden-Dollar-Kredits an, um die Mutterfirma in Europa vor dem totalen Kollaps zu bewahren. Und "Gamiro", was in der lokalen Khoisan-Sprache ebenfalls Stern bedeutet, heißt die Investmentfirma von Heather Sonn, die für die geschasste Steinhoff-Führung einspringt.

Die 45-jährige Sonn hat Erfahrung als Investmentbankerin für Merrill Lynch und Barclays Börsen-Chart zeigen, hat neben Gamiro noch andere Finanzfirmen geleitet, zwei Abschlüsse von renommierten US-Universitäten, und gehört dem Global Leadership Network des Aspen Institute an.

Ihre wichtigste Qualifikation für die aktuelle Rolle bei Steinhoff Börsen-Chart zeigen aber: Sonn ist unabhängig. Sie ist nicht verbandelt mit dem im Fokus der Staatsanwälte stehenden Ex-CEO Markus Jooste, mit dem (Noch-)Multimilliardär Christo Wiese - dem nach bisherigem Stand drittreichsten Südafrikaner, dem die Banken jetzt aber die Kontrolle über Aufsichtsrat und das größte Aktienpaket von Steinhoff entzogen haben - oder mit Wieses Kompagnon, dem niedersächsischen Firmengründer Bruno Steinhoff. Auch Wieses Sohn André muss sein Mandat aufgeben. Die ganze weiße Männerriege gilt als kompromittiert.

An ihre Stelle tritt eine schwarze Frau, die vor vier Jahren erstmals als unabhängige Aufsichtsrätin für Steinhoff International berufen wurde und in dieser Eigenschaft bislang den Nominierungsausschuss führte. Nach Joostes Rücktritt bildete sie mit zwei weiteren unabhängigen Aufsichtsräten einen Ausschuss, um die Corporate Governance von Steinhoff zu verbessern.

Was Heather Sonn über das weiße Patriarchat denkt

Hautfarbe und Geschlecht spielen durchaus eine Rolle, besonders im südafrikanischen Kontext. Gamiro, von Sonn gemeinsam mit Bruder und Ehemann geführt, präsentiert sich stolz als 100 Prozent schwarzes Unternehmen, mit 54,6 Prozent der Aktien in der Hand schwarzer Frauen. Die Firma investiert Einnahmen aus dem Diamantengeschäft, um eine nachhaltige Wirtschaft aufzubauen.

Heather Sonn hat sich gerade der Diversität und Teilhabe verschrieben, die im Steinhoff-Männerbund fehlte. Ihr Unternehmertum ist für sie Teil eines sozialen Engagements. Unter anderem saß sie im Beirat der Nelson-Mandela-Stiftung, leitete eine Bewegung namens "Citizens Movement for Social Change" und hat bis heute Funktionen für Gruppen wie die Foodbank South Africa oder Green Cape. 2009 produzierte die frühere Filmstudentin den Film "Long Street" über eine Kapstädter Drogensüchtige.

Im Oktober bloggte sie für die "Africa for Africa Foundation" über die Hürden für Frauen in Führungsrollen. Darin beschreibt sie auch biografisch, wie sie sich vom Vorbild ihres Vaters Franklin Sonn löste, der als ANC-Aktivist und früherer Lehrergewerkschafter nach dem Ende der Apartheid Pionier schwarzer Unternehmensgründer und erster Botschafter Südafrikas in den USA wurde. Sie habe ihren eigenen Weg finden müssen, erklärt Sonn. Bis heute müsse sie sich gegen die dominante Kultur des Patriarchats behaupten: "weiß, männlich, wohlhabend".

Heather Sonn schreibt, die Wirtschaft werde ihr Potenzial nutzen können, wenn diese Normen überwunden seien und sich auch Geschäftsfrauen nicht mehr anpassen müssten. Durch unterschiedliche Perspektiven werde auch "die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen gestärkt". Sie demonstriert Zuversicht für "einen Bruch mit unserer Vergangenheit".

Ob diese Zuversicht auch im Fall Steinhoff berechtigt ist, wird die nächste spannende Frage. Zunächst einmal muss der MDax-Konzern überleben. Heather Sonn hat den Aufsichtsratsvorsitz "bis auf Weiteres" übernommen.

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