Mittwoch, 18. Januar 2017

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Heuern und feuern im Silicon Valley Die trügerische Suche nach dem Rock-Star-Angestellten

Marissa Mayer: Von Google zu Yahoo gelockt - und nun?

Viel Geld, viel Freiheit - das sind die klassischen Lockmittel der Personalabteilungen, wenn es darum geht, vielversprechende Angestellte vom Konkurrenten in die eigenen Hallen zu locken. Gerade im Silicon Valley, wo das Geld locker sitzt. Doch inthronisiert, erweisen sich die Vielgepriesenen allzu oft als Enttäuschung. Wie das Beispiel Ron Johnson zeigt.

2011 hatte er bereits ein Jahrzehnt bei Apple gearbeitet und allein diese Adresse dürfte ein Raunen unter Personalern hervorrufen. Zu Recht, immerhin hatte der Senior-Vice-Chef für Retail ein lukratives Netzwerk von Geschäften aufgebaut. Der Apple-Shop, ein Tempel für Techies. Das beobachtete man auch bei JCPenney und bot Johnson einen Job als CEO an. Johnson schlug ein.

Und verlor bereits nach 17 Monaten diesen Job. Nachdem er das hingelegt hatte, was "Wired" als eine der erfolglosesten Amtszeiten in der Retail-Geschichte bezeichnet hat. Kein Wunder, die Aktie verlor 50 Prozent an Wert, Stammkunden wurden verschreckt. Dabei hatte Johnson nur das gemacht, was bei Apple beklatscht wurde - er hat versucht, JCPenney in etwas hippes zu verwandeln. Den Apple-Shop unter den Kaufhäusern. Nur funktioniert das nicht bei einer Kaufhauskette, die von Elektroartikeln bis zu Kosmetik alles Mögliche anbietet und dazu noch eher im unteren Preissegment aktiv ist.

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Das gleiche widerfuhr dem Google-Goldkind Marissa Mayer bei Yahoo oder Richard Thoman, immerhin Finanzchef von IBM, als Xerox-Vorstand. Warum? Weil die Unternehmen unrealistische Vorstellungen hatten, was "der Neue" schaffen könnte. Oder anders gesagt - weil sie dem Rockstar-Charme erlegen waren. Und noch immer glauben Unternehmen, sie bräuchten einen Superstar, um ihre Pläne zu verfolgen. Und notfalls muss der eben bei der Konkurrenz gewildert werden. Apple und Tesla, beim Ringen um die automobile Zukunft potenzielle Rivalen, haben sich angeblich so sehr in einem wilden Wilder-Kampf verbissen, dass sie sich gegenseitig sogar die Job-Recruiter abspenstig gemacht haben sollen. Alles Unfug, findet Boris Groysberg, Professor an der Harvard-Universität.

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