Donnerstag, 23. November 2017

Selfies im Cockpit Maria Pettersson, die virale Ryanair-Pilotin

Auf Autopilot: Maria Pettersson, Yoga-Pilotin
Fotos
Pilotmaria

Die Pilotin Maria Pettersson ist für die Billigfluglinie Ryanair ein Geschenk des Himmels: Mit strahlend fröhlichen Selfies aus ihrem Berufsleben macht sie weltweit Schlagzeilen.

Abgesehen von Start und Landung bewegt sich die moderne Luftfahrt heute weitgehend auf Autopilot. Was, könnte man da fragen, machen die Menschen am Steuerknüppel dann eigentlich während des Fluges?

Maria Pettersson, 32, Pilotin der irischen Billigfluglinie Ryanair, macht Selfies. Fröhliche Fotos einer jungen, attraktiven Frau, die im Cockpit jede Menge Spaß zu haben scheint. Als Kontrastprogramm zu den Selfies gibt es dann noch Bilder von Yogaübungen am Strand, Maria schwimmend, Maria im Bikini, Maria, Maria und Maria - und nicht immer hat sie die Kamera selbst gehalten. Seit einigen Tagen gehen ihre Bilder um die Welt: Pettersson ist auf dem Weg, zu einer wahren Promi-Pilotin zu werden.

Für ihren Arbeitgeber ist das ein seltener Glücksfall. Positive Schlagzeilen macht die Billiglinie, bekannt für vordergründig niedrige Preise, fantasievolle Gebühren, überschaubare Löhne und rudimentären Service, eher selten. Pettersson bringt die Marke nun weltweit in die Medien, und immer sind es fröhliche Bilder fröhlicher Ryanair-Angestellter, die da um die Wette lächeln. Die Botschaft der Bilder ist immer dieselbe: So viel Spaß macht das!

Inzwischen scheint ihr die Verbindung zwischen ihren angeblich privaten Aktivitäten und ihrem Arbeitgeber selbst ein wenig zu eng geworden zu sein: Mittlerweile zieht sie selbst es vor, wenn man über "eine große europäische Fluglinie" schreibt, statt diese beim Namen zu nennen. Nach neun Monaten Blog und Hunderten Medienberichten ein wohl aussichtsloses Unterfangen, zumal die meisten Fotos die Uniformen, Farben und andere Symbole der Linie zeigen.

Wie die zu Petterssons Aktivitäten steht, ist nicht einfach herauszufinden: Ryanair kommuniziert nur mit Medien, wenn es nicht anders geht. Über die Popularität der schwedischen Angestellten ist man in Dublin möglicherweise nicht ganz unglücklich: Wenn es Pettersson nicht schon gäbe, hätte die PR-Abteilung der Linie sie eigentlich erfinden müssen.

Petterssons Selfie-Karriere begann im November 2015 angeblich aus ganz eigenem, privatem Antrieb. Wenn man ihre Social-Media-Aktivitäten als PR-Kampagne versteht, dann wohl primär für Maria. Für die Art Erfolg, den sie damit hatte, kennt man im Internetmarketing ein Wort: viral.

Und das nicht zufällig. Pettersson spielte gekonnt auf der Klaviatur der sozialen Netzwerke: Außer auf ihrem Wordpress-Blog streute sie die Bilder vom ersten Tag an auch via Instagram und über weitere Social-Media-Kanäle.

Mit fast sofortigem Erfolg: Bis zum Frühjahr 2016 sammelte sie allein bei Instagram 70.000 Follower, im Juni durchschlug deren Zahl die 100.000, aktuell sind es rund 250.000. Dabei tat sie all das keineswegs, um damit bekannt oder berühmt zu werden, sagte sie in einem Interview mit dem Magazin "Industry Rules": Das Projekt sei vielmehr aus ihrer totalen Begeisterung für ihren Beruf entstanden, "es ist ehrlich und kommt direkt von mir".

Karrieregedanken steckten nicht dahinter, denn beruflich wolle sie sich gar nicht verändern: "Ich bin mit dem, was ich tue, und mit der Firma, für die ich arbeite, sehr glücklich."

Das wird die sicher gern hören.

pat, Spiegel Online

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