Donnerstag, 14. Dezember 2017

Die außerordentliche Karriere des Roland Decorvet "Ich habe den besten Job der Welt"

Roland Decorvet vor seinem Krankenhaus-Schiff.
Toni Rasoamiaramanana
Roland Decorvet vor seinem Krankenhaus-Schiff.

Der Schweizer Roland Decorvet leitete den größten Markt des größten Nahrungsmittelkonzerns der Welt, dann warf Nestlés früherer China-Chef hin, um an Bord des Krankenhausschiffs MS Africa Mercy den Ärmsten der Armen zu helfen. Es war ein seltsames Experiment: Kann ein Spitzenmanager alles hinter sich lassen, sich neu erfinden, seinen Marktwert erhöhen und als CEO zurückkommen? Er kann.

manager-magazin.de: Herr Decorvet, Sie haben vor drei Jahren eine vielversprechende Karriere beim größten Nahrungsmittelkonzern der Welt weggeworfen, um ein schwimmendes Hospital zu leiten. Warum?

Roland Decorvet: Der Preis, den man für eine steile Karriere zahlt, ist hoch, auch familiär. Jeder, der sehr lange in einer Firma arbeitet, bräuchte eine Auszeit, um seinen Kopf freizubekommen. Das öffnet einen neuen Horizont. Zudem habe ich heute eine viel bessere Beziehung zu meiner Frau und meinen Kindern. Auch das macht einen Manager stärker.

mm.de: Was haben Sie an Bord gelernt?

Roland Decorvet: Wenn man ein internationales Team aus 430 freiwilligen Helfern führt, die man nicht mit der Aussicht auf Boni und Karriere motivieren oder anbrüllen kann, weil man der Boss ist, lernt man zuzuhören und anders zu kommunizieren. Hinzu kam das Krisenmanagement. Als ich anfing, sollte das Schiff von der Werft auf den Kanaren zum Einsatz nach Guinea aufbrechen. Doch dann brach Ebola aus. Jeder Monat im Hafen kostete 1,5 Millionen Euro, die Besatzung an Bord wollte Menschen helfen, nicht untätig rumsitzen. Doch gegen Ebola wären die auf chirurgische Eingriffe spezialisierten Ärzte an Bord machtlos gewesen. Am Ende sind wir nach Madagaskar gefahren.

mm.de: Wie haben Ihre früheren Kollegen reagiert?

Roland Decorvet: Mir gegenüber hat niemand etwas Negatives gesagt. Im Gegenteil: Einige Top-Leute würden gerne meinem Beispiel folgen, haben aber Angst, ihre Karriere zu gefährden. Ich hatte zwischenzeitlich sogar überlegt, dem Wirtschaftsleben den Rücken zu kehren und mich weiterhin ausschließlich sozial zu engagieren, aber letztlich war es mein Ziel, die perfekte Kombination von Wirtschaft und sozialem Engagement zu finden und ein solches Unternehmen als CEO zu leiten.

mm.de: Sie sind fast eineinhalb Jahre an Bord geblieben. Das war durchaus riskant.

Roland Decorvet: Zwei Monate bevor ich Mercy Ships verlassen habe, habe ich begonnen mit Headhuntern zu sprechen. Die Resonanz war durchweg positiv. Mein Marktwert sei gestiegen, weil ich Charakter bewiesen habe, hieß es. Nur wenn ich noch länger geblieben wäre, wäre ich kaum mehr vermittelbar gewesen.

mm.de: Hatten Sie viele Angebote?

Roland Decorvet: Ja. Ich wollte aber weder zu einem Wettbewerber von Nestlé, noch zurück nach Asien. Dann kam das Angebot von Lonrho...

mm.de: ...einem Mischkonzern mit Sitz in Südafrika, an dem auch BMW-Erbin Susanne Klatten beteiligt ist.

Roland Decorvet: Haupteigner Rainer-Marc Frey hatte mich angerufen und schnell überzeugt. Wir haben die Vision geteilt, Afrika durch nachhaltige Investitionen in die Nahrungsmittelproduktion zu ändern...

mm.de: ...nach neun Monaten war allerdings Schluss.

Roland Decorvet: Leider hatte sich gezeigt, dass wir nicht in allen Fragen einer Meinung waren und haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt. Damit hatte ich die Chance, neue Investoren für meinen Traum zu finden.

mm.de: Sind Sie inzwischen fündig geworden?

Roland Decorvet: Ja. Ich habe den besten Job der Welt.

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