Samstag, 2. Juli 2016

Baden-Württemberg Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Neske wird Landesbank-Chef

Banker Neske: Künftiger Chef der LBBW
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Banker Neske: Künftiger Chef der LBBW

2015 schmiss Rainer Neske im Zorn seinen Job als Privatkundenvorstand der Deutschen Bank. Nun kehrt der 51-Jährige zurück in die Branche: Er soll ab Sommer die Landesbank Baden-Württemberg führen.

Die größte Landesbank in Deutschland steht vor einem Führungswechsel: Der bisherige Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Hans-Jörg Vetter, gibt sein Amt nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen im Sommer auf - ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages. Über den Plan Vetters hatte manager magazin bereits Ende August 2015 berichtet. Die LBBW hatte damals dementiert. Vetters Nachfolger soll Rainer Neske werden, der im vergangenen Jahr im Streit aus dem Vorstand der Deutschen Bank ausgeschieden war.

manager magazin hatte bereits im September 2015 darüber berichtet, dass Vetter ein Jahr vor Vertragsablauf die LBBW verlassen wird. Die Landesbank hatte dies dementiert. Nun geht Vetter doch vorzeitig - was zeigt, was ein Dementi der LBBW-Presseabteilung wert ist.

Vetter hatte die von der Finanzkrise schwer gebeutelte LBBW 2009 übernommen und sieht nun die Sanierung offenbar als abgeschlossen an. Nun soll Neske eine neue Phase für die Landesbank einleiten. An diesem Dienstag tagt der Aufsichtsrat der Bank, um die Personalie zu beschließen.

Neske arbeitete 25 Jahre bei der Deutschen Bank und wurde dort 2009 in den Vorstand berufen. Damals noch unter der Führung von Josef Ackermann verantwortete Neske das Geschäft mit Privat- und kleineren Firmenkunden.

Mit Ackermanns Nachfolger, dem Investmentbanker Anshu Jain, überwarf sich Neske über die Strategie. Als Vorstand und Aufsichtsrat den Verkauf der Postbank und eine Schrumpfung des Privatkundengeschäfts beschlossen, verließ Neske die Bank. Er soll als einziges Vorstandsmitglied gegen die neue Strategie gestimmt haben.

Während die Deutsche Bank derzeit von den Folgen der Finanzkrise eingeholt wird, übernimmt Neske mit der LBBW eine Bank, die das Gröbste überstanden hat. Die LBBW hatte sich wie andere Institute am amerikanischen Immobilienmarkt verspekuliert und sich mit der Übernahme der SachsenLB noch zusätzliche Milliardenrisiken ins Haus geholt. Mit milliardenschweren Staatshilfen musste sie vor dem Kollaps gerettet werden. Eine der Auflagen: Die LBBW musste drastisch schrumpfen.

Vetter hat den Schrumpfkurs durchgezogen und den Einfluss der Politik zurückgedrängt. Seit 2011 erzielt die LBBW wieder Gewinn, 2014 waren es 477 Millionen Euro, das Ergebnis für 2015 liegt noch nicht vor. Derzeit beschäftigt die LBBW rund 11.000 Mitarbeiter.

Neskes Wechsel zur LBBW kommt überraschend, er war auch als möglicher Nachfolger des scheidenden Commerzbank-Chefs Martin Blessing gehandelt worden. Es heißt jedoch, Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller habe sich gegen Neske ausgesprochen. Müller selbst tritt bei der Commerzbank spätestens 2018 als Aufsichtsratschef ab, auch für ihn ist noch kein Nachfolger gefunden.

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