Håkan Samuelsson hat in der Lkw-Branche viel erreicht: Erst Chef bei Scania, dann bei MAN. Dort loben ihn viele für seine Sanierungserfolge, verzeihen ihm sogar die missglückte Scania-Übernahme. Nun übernimmt er die politische Verantwortung für die Schmiergeldaffäre im Konzern.
München - Sein ganzes Berufsleben hat Håkan Samuelsson in der Nutzfahrzeugindustrie verbracht. Erst war er beim schwedischen Nutzfahrzeugkonzern Scania
und seit neun Jahren beim Münchner Konkurrenten MAN
, wo er es als einer der wenigen Ausländer in der deutschen Wirtschaft an die Spitze schaffte.
Der Spitzenjob brachte Samuelsson aber kein Glück: In den knapp fünf Jahren als MAN-Chef musste er die beiden schwersten Niederlagen seiner Karriere einstecken. Erst scheiterte er mit seinem Plan, Scania zu übernehmen, dann erschütterte eine Schmiergeldaffäre den Konzern. Am Montag kündigte der 58-Jährige seinen Rücktritt an.
Damit verliert die deutsche Industrie einen ihrer profiliertesten Manager - und zehntausende MAN-Mitarbeiter einen durchaus beliebten Chef. Statt in einem noblen Chefbüro arbeitete Samuelsson in der Münchner Zentrale gerne im Großraum und ging auch mal mit Kollegen in die Kantine statt zum Edel-Italiener. Unangenehme Fragen beantwortete er auch einfach mal mit einem Lächeln. Trotzdem galt er als harter Sanierer. Er trieb Produktionsverlagerungen ins Ausland voran, erhöhte die Wochenarbeitszeit im Stammwerk München und investierte in den Zukunftsmarkt China.
Samuelsson spricht perfekt Deutsch, gewürzt mit einem skandinavischen Akzent. Trotzdem wurde er mit vielen Dingen in Deutschland nie so richtig warm. Das in Schweden übliche "Du" in der Anrede führte er lieber erst gar nicht ein. Und auch seine Urlaube verbringt der Vater zweier erwachsener Töchter lieber in der alten Heimat als in den bayerischen Alpen. Er liebe dort vor allem die Natur, sagte er einmal. "Das bleibt immer im Herz."
Beruflich dürfte eine Rückkehr nach Schweden für ihn allerdings schwierig werden. Zwar trauerten ihm ehemalige Kollegen bei Scania noch lange nach, als er nach München ging. Dass er seinen alten Arbeitgeber dann als Chef des deutschen Konkurrenten MAN aber einfach schlucken wollte, haben sie ihm übel genommen.
Daniela Wiegmann, dpa
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