Sonntag, 29. Mai 2016

Schlussplädoyer Porsche-Prozess Haft und Millionenstrafe für Wiedeking und Härter gefordert

In der VW-Übernahmeschlacht mit gezinkten Karten gespielt? Wendelin Wiedeking (l.) und Holger Härter im Stuttgarter Landgericht (Oktober 2015)

Im Porsche-Prozess räumen die Ankläger ein, die Zeugenaussagen hätten die Anklagepunkte nicht stützen können. Sie plädieren dennoch auf eine Millionenstrafe der angeklagten Ex-Vorstände Wiedeking und Härter - und auf Haftstrafen.

Im Strafprozess gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wegen Marktmanipulation beim Übernahmepoker um Volkswagen hat die Staatsanwaltschaft hohe Strafen gefordert. Die Strafverfolger sehen es als erwiesen an, dass Wiedeking und der damalige Porsche-Finanzvorstand Holger Härter 2008 mit unrichtigen öffentlichen Aussagen Anleger täuschen und den VW-Aktienkurs manipulieren wollten.

"Hier haben die Angeklagten den Kurs hochgejubelt, um Verluste zu vermeiden", sagte Staatsanwalt Heiko Wagenpfeil am Donnerstag vor dem Landgericht Stuttgart. Wiedeking und Härter hätten mit "Kaltschnäuzigkeit und krimineller Energie" gehandelt, als sie nach monatelangen Dementis am 26. Oktober 2008 Porsches Plan zur Übernahme von mehr als 75 Prozent des viel größeren Volkswagen-Konzerns offenbart hätten.

Wiedeking soll für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis gehen, wie die Staatsanwaltschaft nach mehr als fünf Stunden Plädoyer forderte. Für Härter sahen sie drei Monate weniger Freiheitsstrafe vor, weil er im Zusammenhang mit dem gescheiterten Übernahmeversuch 2013 schon wegen Kreditbetrugs zu einer Geldstrafe verurteilt worden war.

Staatsanwalt fordert zweieinhalb Jahre Haft für Wiedeking

Beide sollen nach dem Willen der Staatsanwaltschaft zudem eine Million Euro Bußgeld zahlen. Wiedeking und Härter hatten die Vorwürfe bestritten.

Die Verteidiger erklärten, die Argumente der Staatsanwaltschaft seien nicht nachvollziehbar. "Unsere Mandanten Wiedeking und Härter sind von allen Vorwürfen freizusprechen", sagte Rechtsanwalt Walther Graf. Die Verteidiger halten ihre Plädoyers am 25. Februar, das Urteil soll am 4. März fallen.

Für die mit angeklagte Porsche SE forderte die Staatsanwaltschaft eine Geldbuße von insgesamt 807 Millionen Euro. Der von den Familien Porsche und Piech kontrollierte VW-Großaktionär soll damit 805 Millionen Euro für den erlangten wirtschaftlichen Vorteil zahlen. Denn durch die Bekanntgabe des Übernahmeplans kam es zu einer Kursexplosion der VW-Stammaktien, die Porsche Verluste durch Optionsgeschäfte erspart haben soll. Anleger, darunter viele Hedge-Fonds, hatten auf fallende Kurse gesetzt und erlitten Verluste - sie kämpfen noch immer vor Gericht um rund fünf Milliarden Euro Schadensersatz von Porsche dafür.

"Bump and Dump"

In dem seit Oktober laufenden Prozess hatten ein Gutachten und zahlreiche Zeugenaussagen die beiden Anklagen der Strafverfolger nicht erhärtet. Die Staatsanwälte stützen ihre Vorwürfe deshalb auf Indizien. Wiedeking hatte von März bis Oktober den Übernahmeplan dementieren lassen und argumentierte, es sei bis zur Bekanntgabe nur eine theoretisches Szenario gewesen. Im übrigen hätte Firmenpatriarch Ferdinand Piech, der im vergangenen Jahr seinen Posten als VW-Aufsichtsratschef aufgegeben hatte, das Vorhaben blockiert.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Wiedeking und Härter hätten spätestens im März die VW-Übernahme beschlossen - jedoch verdeckt, weshalb es keine Zeugen und Dokumente gebe. Als Beweis betrachten sie die milliardenschweren Optionsgeschäfte mit VW-Aktien und Kreditlinien, die weit über den Finanzbedarf der angeblich zunächst nur angestrebten Aufstockung von 30 auf 51 Prozent überstiegen hätten.

Bei der Bekanntgabe des Plans im Oktober liegt es Staatsanwalt Wagenpfeil zufolge auf der Hand, dass Härter den Kurs nach oben treiben wollte. Porsche erklärte an einem Sonntag, über Bestände und Optionen bereits auf 74,1 Prozent der VW-Aktien Zugriff zu haben und über 75 Prozent beherrschen zu wollen. Ein Kurssturz in der Woche davor hätte dem Unternehmen sieben Milliarden Euro Verlust eingebrockt, der sich bei gleichbleibendem Kurs noch erhöht hätte.

Mit der Pressemitteilung damals habe Porsche sein Eigeninteresse verschleiert, erklärte Wagenpfeil. "Es war ein klassisches Bump and Dump - das Hochjubeln des Kurses zum eigenen Vorteil."

Porsche-Prozess: Porsche, Wiedeking - und die Maple Bank

rei/reuters

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