Dienstag, 25. April 2017

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Vorstandsgehälter versus Durchschnittsverdienst Deutsche Top-Manager gegen Höchstquote ihrer Bezüge

Neu-Adidas-Chef Kasper Rorsted.
adidas/Hannah Hlavacek
Neu-Adidas-Chef Kasper Rorsted.

In der Debatte über hohe Managergehälter wehren sich die Chefs mehrerer Dax-Konzerne gegen Überlegungen der SPD zu einer Höchstquote ihrer Bezüge im Vergleich zum Durchschnittseinkommen in ihren Unternehmen. "Die Vorgabe einer Höchstquote wäre ein deutlicher Eingriff in die Eigentümerrechte", warnte der scheidende MunichRe--Chef Nikolaus von Bomhard laut Vorabbericht der Wochenzeitung "Die Zeit". Persönlich empfinde er seine Vergütung als angemessen, im internationalen Vergleich seien die Vorstandsgehälter in seinem Unternehmen sehr moderat.

Bayer-Vorstandschef Werner Baumann hält eine einheitliche Höchstquote angesichts der Unterschiede zwischen den Branchen für problematisch. Adidas-Vorstandschef Kasper Rorstedt argumentierte, Deutschland stehe im internationalen Vergleich hervorragend da. "Das belegt doch, dass die deutschen Unternehmen und ihre Lenker zum überwiegenden Teil einen guten Job machen und ihre Unternehmen zum Wohle der Gesellschaft führen".

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte hohe Bezüge von Managern kritisiert und mehr Lohngerechtigkeit gefordert. Die SPD stellte eine gesetzliche Zahlungsgrenze in Aussicht. "Wenn die Konzerne nicht im Eigeninteresse oder aus gesundem Menschenverstand diese Millionensummen als Boni oder Abfindungen begrenzen, muss es der Gesetzgeber tun", hatte Generalsekretärin Katarina Barley der "Bild am Sonntag" gesagt.

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Die Diskussion um zu hohe Managergehälter bricht immer wieder auf. Zuletzt entzündete sich einmal mehr die Kritik am Volkswagen-Konzern. So hatte Christine Hohmann-Dennhardt nach nur gut einem Jahr Arbeit als VW-Vorstand für Integrität und Recht zu ihrem Abschied eine Zahlung von rund 13 Millionen Euro erhalten. Der über den Abgasskandal gestürzte Ex-VW-Chef Martin Winterkorn hatte selbst in Krisenjahren des VW-Konzerns noch mehr verdient. Der Aufsichtsrat will das Vergütungssystem der Top-Manager nun reformieren und das Gehalt des Chefs bei zehn 10 Millionen Euro deckeln.

IW-Chef Michael Hüther sagte der "Passauer Neuen Presse", eine gesetzliche Begrenzung von Managergehältern und Boni wäre "ein Eingriff in die Vertragsfreiheit". Die Vergütung sei eine Frage der Aufsichtsräte und nicht des Gesetzgebers. "Wer anfängt, Obergrenzen für Gehälter zu definieren, wird am Ende darüber auch einen Wahlkampf führen", sagte er an die Adresse der SPD. Das sei aber eine "Neid-Debatte".

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) fordert die Wirtschaft zur Selbstregulierung auf, brachte aber eine "Hilfestellung" des Gesetzgebers ins Spiel, sofern das nicht gelingen sollte. Aus Sicht des CDU-Politikers Jens Spahn, zugleich Staatssekretär in Schäubles Ministerium, haben manche Manager "den Kontakt zur Realität und zur Lebenswirklichkeit ihrer Angestellten völlig verloren." Das Thema sei für ihn aber eher "eine Frage des Anstands. Man muss da nicht immer gleich Gesetze machen", zitierte "Die Zeit" das CDU-Präsidiumsmitglied.

rei/dpa/afp

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