Donnerstag, 1. September 2016

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Bolide für 32 Millionen Euro Messi kauft teuersten Ferrari der Welt? Wohl kaum!

Geht wahrscheinlich nicht nach Barcelona: der für 32 Millionen Euro versteigerte Ferrari 335

Seit Anfang der Woche geht die Geschichte um die Welt: Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, die beiden bestbezahlten Fußballer der Welt, sollen sich ein Wettbieten um den teuersten Ferrari der Welt geliefert haben. Letztlich soll Messi den Zuschlag erhalten haben - so berichten es zumindest etliche deutsche und internationale Medien.

Das heißt, "berichten" ist schon zu viel gesagt. "Spekulieren" trifft es besser - die Überschriften strotzen nur so vor "angeblich", "offenbar" und Fragezeichen. Die Quellenlage selbst ist dünn: Die "Bild" spricht von "gleich mehreren Zeitungen", die die Nachricht gebracht hätten, der "Focus" beruft sich anschließend auf die "Bild". Lediglich bei "Yahoo" findet sich ein Verweis auf das Portal sport-english.com, das den Urheber der Gerüchte nennt: den italienischen Immobilien-Entwickler Alessandro Proto. Dessen Unternehmen habe bekanntgegeben, dass Proto den Ferrari an Messi versteigert habe.

Proto?

Aufmerksame Leser von manager-magazin.de werden bei diesem Namen aufhorchen: Ja, es ist derselbe Alessandro Proto, der vor einigen Monaten mit einer fingierten Meldung über einen angeblichen Inselkauf Warren Buffetts in Griechenland etliche Medien (auch manager-magazin.de) narrte. Auch sport-english.com berichtet, dass "der Immobilien-Millionär gerne in der Presse auftauchen möchte" - und dass Messis Umfeld die Gerüchte dementiere. Diese Einschränkungen finden sich freilich nicht in der deutschen Offenbar-Angeblich-Fragezeichen-Berichterstattung.

Der redselige Proto-Typ

Wesentlich wahrscheinlicher erscheint dagegen die Version, die vor wenigen Tagen der US-Sender CNBC veröffentlichte: Der fragliche Ferrari 335, der vor einigen Tagen für 32 Millionen Euro in Paris versteigert wurde, sei vom US-Immobilienentwickler Brian Ross, Inhaber von Ross Development in Cortland, Ohio, gekauft worden, schreibt CNBC mit Verweis auf "Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind". CNBC-Reporter Robert Frank berichtet regelmäßig über den Markt für klassische Automobile - es erscheint glaubhaft, dass er diese Personen tatsächlich gesprochen hat.

Der Verkauf nach Ohio würde auch zu den Angaben des Auktionshauses Artcurial in Paris passen, das unmittelbar nach der Versteigerung mitgeteilt hatte, der Wagen sei in die USA verkauft worden. Zudem hatte Artcurial schon vor der Versteigerung ausführlich über die Herkunft des wertvollen Automobils berichtet: Er stammt aus einer legendären Ferrari-Sammlung des Autonarren Pierre Bardinon - der windige Italiener Proto ist mit keiner Silbe erwähnt.

Ross, der eine Anfrage nicht beantwortet habe, besitze auch einen Ferrari-Handel in Vancouver, British Columbia, und verfüge bereits über eine ansehnliche Sammlung wertvoller Ferraris, so CNBC. Experten zufolge besitze er Dutzende von Boliden mit springendem Pferdchen im Logo.

Eine Mailanfrage von manager-magazin.de beantwortete Ross zunächst ebenfalls nicht. Sollte der Amerikaner tatsächlich der mysteriöse Käufer sein, so besäße er nun den teuersten jemals versteigerten Wagen - jedenfalls gerechnet in Euro. In Dollar ist es wohl "nur" der zweitteuerste.

Der Grund: 2014 wurde in Kalifornien ein ebenfalls sehr seltener Ferrari 250 GTO, Baujahr 1963, versteigert, und zwar zu einem Preis von 38 Millionen Dollar. Das entsprach damals umgerechnet etwa 28,9 Millionen Euro.

Rechnet man den aktuellen Auktionspreis des 335 S Spider von 32 Millionen Euro jedoch in Dollar um, so kommt man auf "lediglich" rund 36 Millionen Dollar. Hintergrund ist der starke Anstieg des Dollar-Kurses gegenüber dem Euro in der Zwischenzeit.

Das heißt: Es gibt derzeit wohl zwei teuerste Autos, die jemals versteigert wurden, je nach Währung. In Euro ist es der 335 S Spider von vergangener Woche (32 Millionen Euro). In Dollar ist es der 250 GTO, versteigert 2014 für 38 Millionen Dollar.

Abzuwarten bleibt, mit welcher Neuigkeit nach dem Schema "berühmter Mensch kauft teures Ding" Alessandro Proto in den nächsten Tage wieder sein Glück versuchen wird. "Trump kauft New Mexiko" vielleicht? "Adele kauft Spotify?" "Uli Hoeneß kauft CF Barcelona?" "Proto kauft Bild?" "Focus kauft Proto?" Lassen wir uns überraschen.

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