Dienstag, 31. Mai 2016

Nach zwei Jahren Wartezeit Reitzle soll wieder bei Linde ran

Wolfgang Reitzle: Als Vorstandschef baute er Linde erfolgreich um, auf Wunsch der Kapitalseite im Aufsichtsrat soll er nun angeblich den Vorsatz des Kontrollgremiums übernehmen

Der ehemalige Linde-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Reitzle (66) steht Presseberichten zufolge vor einer Rückkehr zu dem Dax-Konzern als Chefkontrolleur. Eine Mehrheit der Kapitalseite im Aufsichtsrat setze sich für Reitzle auf dieser Position ein, schreibt das "Handelsblatt" (Montag) unter Berufung auf Kreise des Kontrollgremiums. Auch nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" soll Reitzle auf der Hauptversammlung am 3. Mai für diesen Posten kandidieren. Das Unternehmen wollte den Blättern gegenüber nicht zu der Personalie Stellung nehmen.

Reitzle hatte den Konzern von 2003 bis 2014 geführt und ihn erfolgreich vom Mischkonzern zum Spezialisten für Industriegase und den Anlagenbau umgebaut. Schon nach dem Ende seiner Zeit als Vorstandschef wollte der Manager an die Spitze des Kontrollgremiums wechseln, scheiterte aber damals daran, dass damit die vorgesehene zweijährige Pause nicht eingehalten worden wäre.

Insider-Informationen des "Handelsblatts" zufolge sind der amtierende Linde-Vorstandschef Wolfgang Büchele und Reitzle zur Zusammenarbeit bereit. Erst vor kurzem hatte Büchele einen engen Vertrauten Reitzles als Kommunikationschef zum Münchener Konzern zurückgeholt. Reitzle hatte Büchele selbst zum Nachfolger auserkoren.

Amtierender Chefkontrolleur Schneider würde angeblich Stuhl räumen

Für Konfliktpotenzial könnte allerdings sorgen, dass Büchele nach seinem Amtsantritt 2014 finanzielle Prognosen seines Vorgängers spürbar eindampfte. Linde hat in der Gasesparte derzeit mit einer schwachen Weltwirtschaft zu kämpfen, und Kürzungen im US-Gesundheitssystem belasten das dort zugekaufte Geschäft mit medizinischen Gasen. Zudem drückt im Anlagenbau der niedrige Ölpreis auf die Investitionsneigung der Energieindustrie. Anfang Dezember musste Büchele daher die Ziele erneut zurückschrauben.

Zudem ist noch unklar, ob der derzeitige Chefkontrolleur Manfred Schneider nicht seine volle Amtszeit bis 2018 durchziehen möchte. Laut Handelsblatt sei er nach anfänglichem Widerstand jedoch dazu bereit, den Weg für Reitzle frei zu machen.

Reitzle ist derzeit Co-Verwaltungsratschef des Zementriesen LafargeHolcim, zudem sitzt er dem Aufsichtsgremium des Autozulieferers Continental vor und ist Aufsichtsratsmitglied bei Axel Springer .

rei/dpa-afx

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